Preussag Aufsichtsrat gibt grünes Licht für Verkäufe

Der Vorstand des Mischkonzerns hat die erste Hürde für die Verflechtung mit Babcock genommen. Der Aufsichtrat stimmte den Pläne zu.

Kiel/Hannover - Der Oberhausener Konzern Deutsche Babcock kann die Hälfte der Kieler Großwerft HDW übernehmen. Der Aufsichtsrat der Preussag, der bisher 100 Prozent der HDW-Anteile gehörten, hat am Donnerstag dem Verkauf von Tochterunternehmen zugestimmt. Wie Preussag mitteilte, übernimmt die Babcock den Anlagenbauer Noell und die Preussag Wasser und Rohrtechnik (PWR) vollständig sowie 50 Prozent an der Howaldtswerke Deutsche Werft AG (HDW).

Nach unbestätigten Informationen soll Babcock nur für 25 Prozent der HDW-Aktien zahlen; die anderen 25 Prozent sowie Noell und PWR wechseln innerhalb eines Aktientausches den Besitzer. Im Gegenzug erhält Preussag 30 Prozent an Babcock und wird größter Aktionär. Dazu werde das Kapital der Babcock durch die mit den Übernahmen verbundenen Sacheinlagen der Preussag entsprechend aufgestockt.

Der Aufsichtsrat der Babcock hatte bereits zugestimmt. Die Transaktionen sollen zügig bis April von den jeweiligen Hauptversammlungen abgesegnet werden. Preussag setzt mit dem Verkauf seinen vor gut einem Jahr eingeleiteten Umbau zu einem Touristik- und Dienstleistungskonzern fort. Wesentlichen Einfluß auf die raschen Verhandlungen hatte die Westdeutsche Landesbank (West/LB), die bei beiden Unternehmen als Aktionär mit ihrem Vorstandschef Friedel Neuber den Aufsichtsratsvorsitzenden stellt.

Arbeitnehmervertreter der Preussag Wasser und Rohrtechnik (PWR) sowie der HDW hatten noch am Mittwoch Bedingungen für die Zustimmung zu dem Verkauf gestellt. Die PWR-Beschäftigten fürchten eine Zerschlagung des Unternehmens mit rund 5000 Beschäftigten bei Babcock. Preussag-Vorstandschef Michael Frenzel habe signalisiert, daß Preussag als künftiger Hauptaktionär bei Babcock seinen Einfluß geltend machen werde, daß die Wasser- und Rohrtechnik erhalten bleibe.

Frenzel hatte am Vorabend die Sorgen der Arbeitnehmervertreter über eine rasche Zerschlagung von verkauften Töchtern weitgehend ausgeräumt. Die Beteiligung an Babcock als künftiger Hauptaktionär diene auch dazu, die Neustrukturierung einer gestärkten Anlagenbaugruppe zu begleiten. Bei Babcock könne die weitgehend sanierte Noell-Gruppe in einem schlagkräftigen Verbund neu aufgestellt werden, erklärte Frenzel.

Auch für die Kieler HDW gelte, daß die langfristigen Interessen der Werft im Mittelpunkt der Verhandlungen mit Babcock stünden. Der Einstieg der Babcock AG, die die Option auf weitere HDW-Anteile erhält, schließe weitere Gespräche über einen deutschen Werftenverbund mit den Thyssen-Werften Blohm+Voss und Thyssen-Nordseewerke nicht aus, betonte Frenzel nach der Entscheidung des Aufsichtsrates. Die Gewerkschaft IG Metall hatte dies gefordert. Es müsse auch sichergestellt sein, daß Babcock nicht die Finanzkraft von HDW schwächen dürfe.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.