Salzgitter AG "Nacht-und-Nebel-Aktion"

Nun ist es offiziell: Die luxemburgische Arbed-Gruppe will beim zweitgrößten deutschen Stahlkonzern einsteigen und sich damit vor Thyssen-Krupp im Spitzentrio des Weltmarktes etablieren.

Düsseldorf - Der Stahlriese Arbed bestätigte am Donnerstag in Brüssel entsprechende Verhandlungen. Bei der Gewerkschaft IG Metall stieß das Vorhaben jedoch auf große Skepsis. Der Vizechef des Aufsichtsrats der Salzgitter AG, IG-Metall-Vorstandsmitglied Horst Schmitthenner, sprach von einer "Nacht-und-Nebel-Aktion" des Landes Niedersachsen (25,5 Prozent) und der Norddeutschen Landesbank (NordLB) als große Eigner. Die Zustimmung von Arbeitnehmerseite sei nur denkbar, wenn das Entscheidungszentrum in Salzgitter bleibe und die drei Werke Salzgitter, Peine und Ilsenburg sowie die Montan-Mitbestimmung fortbestünden.

"Wir reden über eine Zusammenarbeit, was alles von einer Allianz bis zu einer Fusion sein kann", sagte der zuständige Arbed-Manager Yves Germeaux in Brüssel. Auch Niedersachsens Wirtschaftsminister Peter Fischer bestätigte Pläne für die Allianz des zweitgrößten deutschen Stahlproduzenten. Es sei immer klar gewesen, daß nach der Herauslösung aus dem Preussag-Konzern vor einem Jahr nach einem Partner gesucht werde. Anders als damals gehe es jetzt aber "nicht um einen Ausverkauf".

Nach einem "Handelsblatt"-Bericht sind die Gespräche weit gediehen und sollen in dieser Woche abgeschlossen werden. Der neue Stahlriese würde es auf eine Jahresproduktion von rund 23 Millionen Tonnen Rohstahl mit 67.500 Mitarbeitern bringen.

1997 hatten Niedersachsen, damals von Gerhard Schröder als Ministerpräsident regiert, und die NordLB die Preussag-Stahltochter übernommen, um einen Verkauf ins Ausland zu verhindern. Ende Mai wurden zwei Drittel der Anteile an der Börse gestreut. Das Land wollte die Sperrminorität ursprünglich für fünf bis sieben Jahre behalten.

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