Shell Der Zapfhahn tröpfelt nur noch

Der zweitgrößte Ölkonzern der Welt hat 1998 über 90 Prozent weniger verdient.

London - Der Ertrag des niederländisch-britischen Ölkonzerns Royal Dutch/Shell NV ist im vergangenen Jahr dramatisch eingebrochen. Der Reingewinn sei von 8,1 Milliarden um fast 90 Prozent auf 901 Millionen Dollar gesunken, teilte die Royal Dutch/Shell NV am Donnerstag mit. Im vierten Quartal rutschte das Unternehmen wegen hoher Umstrukturierungskosten sogar in die roten Zahlen ab. Auch ohne Berücksichtung der Sonderaufwendungen verzeichnete Shell einen Gewinnrückgang um 36 Prozent, der aus dem drastischen Ölpreisverfall und den Einbußen im Chemiegeschäft durch die Asien-Krise resultierte.

Damit fiel der Konzern deutlich hinter die Konkurrenz zurück. "Shell steht einer der härtesten Herausforderungen seiner Geschichte gegenüber", sagte der Vorstandsvorsitzende Mark Moody-Stuart. Der Konzern habe bereits mit einer Reorganisation begonnen. Die dafür zurückgestellten Mittel seien neben den stark gefallenen Ölpreisen ein Hauptgrund für das schlechte Ergebnis. "Die Pläne, die wir im Dezember bekannt gegeben haben, waren einige der härtesten Entscheidungen, die ich je getroffen habe", sagte Moody-Stuart. Unter anderem hatte Shell beschlossen, vier nationale Hauptverwaltungen - darunter auch die deutsche - aufzugeben. Für das laufende Jahr hat der Konzern "gemischte Erwartungen". Der Ölpreis werde weiter unter Druck bleiben, in Europa und den USA könne eine Rezession die Nachfrage nach Öl weiter verringern.

Bei der Deutschen Shell AG ist der Gewinn nicht so stark gefallen wie bei der Konzernmutter. "Wir haben weniger verdient als im Rekordjahr 1997, aber immer noch ganz ordentlich", sagte Rainer Winzenried, der Sprecher des Hamburger Unternehmens. Die AG erreichte zuletzt bei einem Umsatz von 25,5 Milliarden Mark einen Gewinn von 909 Millionen Mark. Der Rückgang der Ölpreise und die Restrukturierungskosten fielen bei der deutschen Tochter weniger ins Gewicht als bei der Muttergesellschaft.

Die Kosten für den Umbau verbuchte der Konzern im vierten Quartal 1998, in dem daher ein Verlust von 3,568 Milliarden Dollar anfiel. Doch auch ohne Sonderaufwendungen brach der Quartalsgewin um 53 Prozent auf 818 Millionen Dollar ein und ging damit insgesamt stärker zurück, als Analysten vorhergesagt hatten. Auch die Konkurrenten hatten im Schlußquartal 1998 Gewinneinbußen verzeichnet, allerdings nicht derart massiv. Branchenführer Exxon hatte einen Rückgang um 30 Prozent gemeldet, sein Fusionspartner Mobil Einbußen von 38 Prozent. BP Amoco legt seine Bilanz erst in der kommenden Woche vor.

Shell-Chef Mark Moody-Stuart sagte, falls es ihm nicht gelingen sollte, das Unternehmen binnen zwei Jahren wieder auf Kurs zu bringen, sei er zum Rücktritt bereit. Er bleibe aber sehr zuversichtlich. Moody-Stuart bekräftigte, Shell werde seinen Sanierungsplan vom Dezember umsetzen. Danach sollen die Kosten um 2,5 Milliarden Dollar gesenkt und weite Teile des Geschäfts verkauft werden, darunter 40 Prozent des Chemiegeschäfts.

Die Aktien der Muttergesellschaften gaben am Donnerstag deutlich nach. Shell Transport and Trading verloren bis zum Nachmittag an der Londoner Börse 2,4 Prozent auf 330 Pence. Royal Dutch Petroleum gaben an der Amsterdamer Börse gleichstark auf 38,60 Euro nach.

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