AOL Time Warner Schwache Internet-Tochter verhagelt den Ausblick

Der Gewinn soll in 2003 um bis zu 25 Prozent fallen. Die Aktie schmiert ab.

New York - Der weltgrößte Medienkonzern AOL Time Warner  rechnet im nächsten Jahr mit einem drastischen Rückgang der Werbe- und Handelseinnahmen seiner Internet-Tochter America Online.

Ein Rückgang um voraussichtlich 40 bis 50 Prozent werde den erwarteten Zuwachs der Abonnementeinnahmen wohl aufzehren, teilte der Medienkonzern am Dienstag mit. Insgesamt werde der Umsatz der Online-Sparte damit 2003 im Vergleich zu diesem Jahr in etwa stagnieren.

Nach dem überraschend schwachen Ausblick für die Sparte, sieht America Online zudem eine Wende in der Ertragsentwicklung nicht vor 2004. Der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen werde im nächsten Jahr um 15 bis 25 Prozent sinken. Die Aktien des Konzerns reagierten mit Abschlägen von bis zu dreizehn Prozent und fielen auf 14,40 Dollar.

"2003 wird ein Übergangsjahr"

Für das laufende Jahr bekräftigte AOL Time Warner die Umsatzprognosen für die Online-Tochter mit 8,8 bis neun Milliarden Dollar. Davon würden 1,5 bis 1,6 Milliarden Dollar auf Einnahmen aus Werbung und dem Online-Handel entfallen. Der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen werde 2002 am oberen Ende der Spanne von 1,7 bis 1,8 Milliarden Dollar liegen.

Konzern-Finanzchef Wayne Pace erklärte: "Es ist klar, dass 2003 ein Übergangsjahr sein wird, aber mit diesem Plan erwarten wir, dass America Online ab 2004 ein solides Wachstum zeigen wird."

Dominanz von T-Online bremst Wachstum in Deutschland

Unterdessen sagte der Chef von America Online, Jonathan Miller, bei den defizitären europäischen Aktivitäten der Internet-Sparte verliefen die Kosteneinsparungen plangemäß. Allein 2002 werde der Verlust um rund zwei Drittel verringert werden, fügte er hinzu. In Deutschland sei AOL wegen der Dominanz von T-Online  als Internet-Anbieter langsamer als in Großbritannien gewachsen. Die Internet-Sparte America Online war in jüngster Zeit nicht nur wegen des langsamen Zuwachses an Kunden und der sinkenden Werbeeinnahmen in die Kritik der Investoren gelangt. Auf Grund ihrer Bilanzierungspraktiken ist sie auch Gegenstand von Untersuchungen der US-Börsenaufsicht SEC.

Für den Konzern insgesamt prognostizierte AOL Time Warner unterdessen für das laufende Jahr einen Zuwachs beim Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) am unteren Ende der bisherigen Spanne von fünf bis neun Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Der Umsatz werde voraussichtlich um fünf bis acht Prozent steigen.

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