Dienstag, 22. Oktober 2019

Fresenius Medical Care Asbest-Trauma abgehakt

Die drohenden Asbest-Klagen in den USA hatten die Aktie über Monate gedrückt. Nach dem gerichtlichen Vergleich schießt der Wert sensationell in die Höhe. Und da könnte der Titel auch bleiben, sagen Analysten.

Frankfurt - Die Beendigung eines langwierigen Rechtstreits in den USA hat den Aktien des Dialysespezialisten Fresenius Medical Care Börsen-Chart zeigen (FMC) am Freitag zu einem sensationellen Kurssprung von mehr als 30 Prozent verholfen. In der Spitze kletterten die Aktien um 30,5 Prozent auf ein vorläufiges Tageshoch von 45,50 Euro und erreichten damit den höchsten Stand seit Mitte Juli.

Das Damoklesschwert ist jetzt weg

 Vergleich: Nach der Einigung im Asbeststreit kann sich Fresenius Medical Care nun wieder auf sein Kerngeschäft konzentrieren
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Vergleich: Nach der Einigung im Asbeststreit kann sich Fresenius Medical Care nun wieder auf sein Kerngeschäft konzentrieren
FMC hatte am Morgen mitgeteilt, in dem Rechtstreit über den Kaufpreis einer Tochtergesellschaft des insolventen US-Pharmaunternehmens WC Grace mit Asbest-Klägern einen Vergleich geschlossen zu haben, der die gebildeten Rückstellungen nicht übersteige. "Damit ist das Damoklesschwert über FMC weg", kommentierte BW-Bank-Analyst Michael Leineweber die Nachricht, die Aktien von in Asbest-Klagen involvierten Konzernen in ganz Europa zu Kurszuwächsen verhalf.

"Die Forderungen waren unberechtigt"

In dem Rechtstreit war FMC vorgeworfen worden, 1996 zu wenig für die Übernahme der damaligen Grace-Tochter National Medical Care (NMC) bezahlt zu haben. Die Asbest-Kläger hatten FMC dabei unterstellt, der Konzern habe auf diese Weise versucht, die Höhe der Vermögensmittel zu drücken, die zur Begleichung von Asbest-Haftungsansprüchen gegen Grace herangezogen werden könnten. FMC hatte diese Vorwürfe stets bestritten. "Wir sind weiterhin davon überzeugt, dass die Forderungen der Asbest-Kläger unberechtigt waren", erklärte FMC-Vorstandschef Ben Lipps dazu am Freitag. "Im Interesse des Unternehmens und unserer Aktionäre haben wir uns zu einem Vergleich entschlossen, da dadurch alle Asbest-bezogenen Fragen endgültig beigelegt werden."

Aus der Verschmelzung des Dialysegeschäfts der Konzernmutter Fresenius AG Börsen-Chart zeigen mit der Grace-Tochter NMC war 1996 das Dialyseunternehmen FMC entstanden. Grace selbst hatte 2001 unter der Last von Asbestklagen Gläubigerschutz beantragt. Auch die Aktien der im MDax gelisteten Fresenius legten am Freitag im bisherigen Handelsverlauf in der Spitze gut 30 Prozent zu. FMC sieht sich auch von künftigen Haftungen befreit

Dem Vergleich mit den Asbest-Klägern zufolge übernimmt FMC die offenen Steuerangelegenheiten von Grace aus den Jahren vor 1996 und zahlt abschließend 15 Millionen Dollar in die Vergleichsmasse des insolventen Unternehmens. Insgesamt würden die Zahlungen die im vierten Quartal 2001 gemachten Rückstellungen von 258 Millionen Dollar nicht übersteigen, hieß es. Im Gegenzug würden alle von den Asbest-Klägern geltend gemachten Forderungen unwiderruflich abgewiesen. FMC werde zudem von Haftungen für künftige Asbest-bezogene Forderungen oder Klagen Dritter befreit.

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