Geld Mangelndes Wissen

Zum Schutz vor Betrügern fordern Experten eine bessere Information und Ausbildung von Anlegern und Verbrauchern.

Frankfurt/Main - Kenntnisse über die Börse sind nach Meinung von Experten trotz des Aktienbooms in Deutschland immer noch wenig verbreitet. Das Deutsche Aktieninstitut empfahl am Mittwoch in Frankfurt sogar die generelle Einführung des Fachs "Wirtschaft" in den Schulen. Nur so kann nach Einschätzung von Vorstandsmitglied Rüdiger von Rosen auf lange Frist unseriösen Finanzdienstleistern und Anlagebetrügern das Handwerk gelegt werden.

Wegen der großen Zahl "schwarzer Schafe" unter den Finanzdienstleistern werde die Aktie in Deutschland noch immer von vielen als riskante Geldanlage betrachtet, sagte von Rosen. Potentielle Anleger machten keinen Unterschied zwischen dem sogenannten "grauen Kapitalmarkt" und dem geregelten Aktienmarkt. Deshalb bevorzugten viele Menschen sichere, aber wenig rentable Sparanlagen, beklagte von Rosen. Der Imageschaden durch Anlagebetrüger gehe zum größten Teil auf Kosten des Aktienmarktes, wodurch den Unternehmen Kapital vorenthalten werde. Das verhindere die Schaffung von Arbeitsplätzen. Während in Deutschland nur zehn Prozent der Bevölkerung Aktien hielten, seien es in den USA mehr als 40 Prozent.

Kurzfristig wolle der Verein "Finanzplatz" in Frankfurt mit einer neuen Informationsoffensive Anleger besser aufklären und so vor Anlagebetrügern schützen. Eine Broschüre mit Hintergründen über die Machenschaften unseriöser Finanzdienstleister und mögliche Fallen bei Geldanlagen könne ab sofort beim Verein in Frankfurt bestellt werden. Derzeit liegen 2000 Exemplare vor. "Wir werden die Broschüre auch bei Banken hinterlegen", kündigte von Rosen an.

Der volkswirtschaftliche Schaden durch Anlagebetrug sei immens und kaum abschätzbar, berichtete von Rosen. Mehr als 36.000 Fälle von Wirtschaftskriminalität im Anlagebereich pro Jahr seien zuletzt registriert worden. Der Gesamtschaden belaufe sich auf rund drei Milliarden Mark, die Dunkelziffer liege aber wesentlich höher, heißt es in der Broschüre. Die Experten räumen jedoch ein, daß es letztlich keinen wirklichen Schutz vor Anlagebetrügern gebe. Viele der einmal Geschädigten würden oft auch ein zweites Mal betrogen. Dabei werde von den unseriösen Anbietern in den Werbeprospekten immer wieder auf die Möglichkeiten des kompletten Geldverlustes verwiesen. "Manche sind vor lauter Dollar-Zeichen in den Augen einfach nicht belehrbar."

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