Konjunktur Warten auf Zinssenkung

Die Preise sinken, und die Stimmung bleibt verhalten. Dies spricht für niedrigere Zinsen.

Wiesbaden - In Deutschland sind die Preise im November nach vorläufigen Ergebnissen aus sechs Bundesländern gegenüber dem Vormonat um 0,4 Prozent gesunken. Im Jahresvergleich habe die Teuerung 1,1 Prozent betragen, teilte das Statistische Bundesamt am Montag mit. Der Preisauftrieb hat sich damit abgeschwächt. Im Oktober hatte die Jahresteuerung noch 1,3 Prozent betragen. Damit steigen auch die Chancen, dass die EZB im Dezember die Zinsen senken wird.

Die stark rückläufige Monatsveränderung sei im Wesentlichen auf überdurchschnittliche Preisrückgänge für Saisonwaren und Mineralölerzeugnisse zurückzuführen, sagten die Statistiker.

Der für europäische Zwecke berechnete Verbraucherpreisindex (HVPI) für Deutschland wird sich im November gegenüber dem Vorjahr ebenfalls voraussichtlich um 1,1 Prozent erhöhen. Im Vormonat hatte sich eine Steigerung um 1,3 Prozent ergeben. Im Vergleich zum Vormonat ging die Teuerungsrate um 0,4 Prozent zurück. Die endgültigen Ergebnisse werden Mitte Dezember veröffentlicht.

ifo-Index dürfte erneut enttäuschend sein

Die weiter getrübte Stimmung in der Wirtschaft dürfte aus Sicht von Volkswirten die Hoffnung auf eine Leitzinssenkung in der Eurozone anheizen. "Die Zeichen stehen auf Zinssenkung", heißt es bei der Commerzbank. Das von der EU-Kommission veröffentlichte Unternehmensvertrauen und die nationalen Geschäftsklimaindizes in Deutschland und in Frankreich dürften eine weitere Stimmungsverschlechterung in der Industrie signalisieren.

In Deutschland dürfte sich die Stimmung bei den Unternehmen im November aus Sicht der Experten weiter eingetrübt haben. "Beim ifo-Geschäftsklima wird der sechste Rückgang in Folge wohl unvermeidlich sein", heißt es bei HSBC Trinkaus & Burkhardt.

Im Durchschnitt rechnen Volkswirte bei der Veröffentlichung an diesem Dienstag mit einem Rückgang des Indexwerts im November von 87,7 Punkten im Vormonat auf 86,9 Zähler.

"Der stetige ifo-Rückgang lässt eine Rezession am Horizont erscheinen", hebt HSBC Trinkaus & Burkhardt hervor. Die Steuer- und Abgabenpläne der Bundesregierung dürften zu der Eintrübung "wesentlich beigetragen" haben. Maßgeblich für den Rückgang dürfte aus Sicht der Commerzbank die Eintrübung der Erwartungskomponente sein, während die Beurteilung der aktuellen Lage voraussichtlich auf dem bereits sehr niedrigen Niveau verharren dürfte.

Der neuerliche Rückgang des Geschäftsklimas dürfte eine Leitzinssenkung durch die Europäische Zentralbank (EZB) besiegeln, sagte Volkswirt Philip Shaw von Investec. Am Markt wird derzeit ein Zinssschritt um mindestens 0,25 Prozentpunkte nach unten erwartet.

Keine Gefahr für eine Leitzinssenkung machen die Experten derzeit an der Preisfront aus. Die vorläufigen Verbraucherpreisdaten aus Italien und Deutschland für November deuteten auf einen nur moderaten Preisauftrieb hin. Die Verbraucherpreise in der Eurozone dürften im November zwar noch über der EZB-Obergrenze von 2,0 Prozent für Preisstabilität liegen - die mittelfristigen Perspektiven zeichneten allerdings ein freundlicheres Bild.