Bilfinger Berger Vom Bauunternehmer zum Dienstleister

Trotz Branchenflaute legt der Baukonzern solide Zahlen vor. Das Auslandsgeschäft brummt.

Mannheim - Die Konzentration auf das Auslandsgeschäft und die Spezialisierung auf Ingenieurprojekte zahlt sich für Deutschlands zweitgrößten Baukonzern Bilfinger Berger  weiter aus. Trotz der Flaute auf den deutschen Baustellen wies Bilfinger Berger in den ersten neun Monaten 2002 mit 26 (Vorjahr: 33) Millionen Euro auch ohne Sondereffekte ein deutlich positives Ergebnis aus, wie der Mannheimer Konzern am Montag mitteilte.

Die Gesamtleistung lag nach drei Quartalen mit 3,40 Milliarden Euro zwei Prozent über Vorjahr, der Auftragseingang mit 3,98 Milliarden Euro gar neun Prozent darüber. Für das Gesamtjahr geht Vorstandschef Herbert Bodner weiter von einem Anstieg des Konzernergebnisses auf 60 (52) Millionen Euro aus. Die im MDax notierte Aktie reagierte mit einem Kursplus von 1,2 Prozent auf 17,40 Euro.

In das Schlussquartal 2002 geht Bilfinger Berger mit einem Auftragsbestand von 5,44 Milliarden Euro, der damit ein Fünftel höher liegt als ein Jahr zuvor. Das sei vor allem auf Projekte der Ingenieurbau-Sparte im Ausland zurückzuführen, die aber dem Inlandsgeschäft zugerechnet würden, hieß es. Dieses verbuchte in den ersten neun Monaten bei sechs Prozent weniger Leistung fünf (sieben) Millionen Euro Verlust, die Auslands-Bausparte brachte bei praktisch konstanter Leistung 31 (28) Millionen Euro Gewinn.

"Die Baukonjunktur in Deutschland ist weiter rückläufig", stellte Bilfinger Berger fest. Die jüngsten Gesetzesvorschläge der Bundesregierung zögen zusätzliche negative Folgen für die Branche nach sich. Deshalb werde der Anteil des Inlandsgeschäfts bei Bilfinger Berger, der derzeit bei rund einem Drittel liegt, weiter zurückgehen, warnte der Baukonzern. Ein Einbruch bei den Aufträgen in der Projektentwicklung werde durch internationale Geschäfte mit Betreibermodellen und einen Auftrags-Boom in der Umwelttechnik wettgemacht.

Stattdessen setzt Bilfinger Berger auf Dienstleistungen rund um das Bau- und Industriegeschäft. Für diese Sparte waren jüngst die Holzmann-Tochter HSG und die Münchener Rheinhold & Mahla zugekauft worden, die von September an in die Bilanz einbezogen wurden. Mit Hilfe des Service-Bereichs wolle der Konzern die Gesamtleistung 2002 auf 4,9 von 4,6 Milliarden Euro ausbauen. Ohne die Zukäufe würde der Umsatz stagnieren. Im kommenden Jahr soll die dann voll konsolidierte Sparte rund 1,1 Milliarden Euro Umsatz und ein Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebita) von 40 Millionen Euro beisteuern.

In den ersten neun Monaten lag das Ebitda im Konzern bei 22 (14) Millionen Euro. Zu dem operativen Konzernergebnis kommt in diesem Jahr ein Sonderertrag von 161 Millionen Euro aus dem Verkauf des Bilfinger-Berger-Anteils an der Dresdner Bank an die Allianz . Dafür fehlen im Konzernergebnis die Dividenden der Bank, die das Finanzergebnis und damit den Nachsteuergewinn belasteten. Über die Verwendung des einmaligen Geldsegens wolle Bilfinger Berger erst nach Jahresende entscheiden, hieß es.

Die Zahl der Mitarbeiter stieg nur durch die Zukäufe um 19 Prozent auf 52.157 Beschäftigte. Während die Inlands-Bausparte ihre Mitarbeiterzahl konstant hielt, wurden im Ausland fast 5000 Stellen, 14 Prozent der dortigen Belegschaft, abgebaut.