EM.TV Umsatz eingebrochen

Die Zahlen sind weiter schwach - und die Haffas unverändert in Erklärungsnot.

München - Der skandalgebeutelte Medienkonzern EM.TV  steckt weiter tief in der Verlustzone. In den ersten neun Monaten sei der Fehlbetrag jedoch von 127,5 auf 115,1 Millionen Euro reduziert worden, teilte die EM.TV & Merchandising AG (München) am Montag mit.

Der Umsatz brach wegen des Verkaufs von Beteiligungen von 634 auf 157,6 Millionen Euro ein. Die Medienfirma versucht derzeit, sich unter neuer Führung auf das Kerngeschäft zu konzentrieren. Trotz schwachen Marktumfelds seien operative Fortschritte erzielt worden.

Das Unternehmen hat im Neunmonatszeitraum auf bereinigter Basis seine Kennzahlen verbessert. Ohne die mittlerweile entkonsolidierten Gesellschaften vor allem der Formel-1-Gruppe lag das Ebit mit minus 62,5 (minus 105,5) Millionen Euro um 41 Prozent über dem Vorjahreswert. Beim bereinigten Ebitda ergab sich ein Anstieg auf 7,3 (2,4) Millionen Euro.

84,3 Millionen Euro an liquiden Mitteln

Die liquiden Mittel per Ende September wies EM.TV mit 84,3 Millionen Euro aus, nachdem sie zum Ende des vergangenen Jahres bei 128 Millionen Euro gelegen hatten. Die Liquiditätssituation entwickele sich damit plangemäß.

Das Konzerneigenkapital bezifferte EM.TV zum Stichtag mit 332,7 Millionen Euro (Eigenkapitalquote 29 Prozent). Das Eigenkapital der AG nach HGB erreichte 485,3 Millionen Euro (Eigenkapitalquote 39 Prozent).

"Im zweiten Halbjahr haben sich die Rahmenbedingungen für unsere Branche teilweise sogar noch weiter verschlechtert", erklärte EM.TV-Chef Werner Klatten. Die TV-Sender als wichtigste Kunden rechneten erst im Laufe des nächsten Jahres mit einer Erholung des Werbemarktes. Die Kapitalmärkte seien zudem weiter schwach.

Das lange Warten auf den Break-Even

"Von einem Break-Even ist man da noch weit entfernt, auch wenn kleine Fortschritte zu sehen sind", kommentierte Harald Heider, Analyst bei der DZ-Bank, die Zahlen. Viel entscheidender sei jedoch, wie EM.TV mit dem Verkauf von Jim Henson vorankomme, da die Erlöse dringend für die Rückzahlung von Krediten benötigt würden. "Die müssen da langsam zu Potte kommen, sonst wird es mit der Liquidität gefährlich", sagte Heider und resümierte: "Das Ganze ist nicht aussichtslos, aber es ist sehr schwierig."

Unterdessen hat ProSiebenSat.1-Chef Urs Rohner als Zeuge im Haffa-Prozess bestritten, dass er mit EM.TV im September 2000 ein Millionengeschäft abgeschlossen habe. Vor dem Landgericht München sagte Rohner am Montag, er habe mit dem angeklagten EM.TV-Gründer Thomas Haffa nur am 11. Oktober 2000 über den Kauf der Trickfilm-Serie "Die Simpsons" für den Fernsehsender ProSieben  verhandelt.

Rohner: "Haffas Vorstellungen waren nicht akzeptabel"

"Wir haben schnell gesehen, dass es für uns nicht ein gangbarer Weg sein würde", sagte Rohner. Haffas Vorstellungen über Laufzeit und Preis des Lizenzgeschäfts seien nicht akzeptabel gewesen.

ProSieben hatte nach Auskunft Rohners lediglich Interesse bekundet, was allerdings Haffa nicht davon abhielt, den diskutierten Verkaufspreis von rund 128 Millionen Euro bereits in die Gewinnprognose einzurechnen.

Programmchef Ludwig Bauer bestätigt Rohners Angaben

Rohner fügte hinzu, er habe damals nicht ausgeschlossen, dass es bei besseren Bedingungen doch noch zu einem Geschäft kommen könnte.

Der zusammen mit seinem Bruder Florian wegen bewusst überhöhter Gewinnprognosen angeklagte Thomas Haffa hatte erklärt, er habe den Millionendeal mit Rohner bereits bei einem Telefongespräch im September grundsätzlich fest gemacht. Rohner schloss das aus. ProSiebenSat.1-Programmchef Ludwig Bauer bestätigte als Zeuge Rohners Angaben.

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