Preussag-Töchter Arbeitnehmer fürchten Zerschlagung

Die geplanten Verkäufe von Firmen des Hannoveraner Konzerns an Babcock werden von den Betroffenen heftig kritisiert.

Hannover/Kiel - Bei der Tochter Preussag Wasser und Rohrtechnik (PWR) fürchten die Beschäftigten, daß das an sich gesunde Unternehmen bei der Deutschen Babcock AG zerschlagen wird. Die Arbeitnehmervertreter der Kieler Howaldtswerke Deutsche Werft AG (HDW) stellten Bedingungen für die beabsichtigte 50-Prozent-Beteiligung von Babcock an der Werft.

Die Arbeitnehmervertreter von PWR mit weltweit 5000 Beschäftigten drangen am Mittwoch unter anderem im Gespräch mit Preussag-Chef Michael Frenzel darauf, daß der Aufsichtsrat in seiner außerordentlichen Sitzung an diesem Donnerstag die jetzigen Pläne nicht billigen solle. Notwendig seien klare Arbeitsplatzgarantien von Babcock, betonte Andreas Steppuhn, Arbeitnehmervertreter bei der PWR. Die Firma mit 1,3 Milliarden Mark Umsatz sei offenbar eine Zugabe dafür, daß Babcock "den von der Preussag jahrelang verschleppten Sanierungsfall des Anlagenbauers Noell übernimmt."

Der Verkauf von PWR ist nach bisherigen Plänen von Preussag und Babcock Teil einer größeren Tauschaktion und Verflechtung der beiden Unternehmen, die bis April abgeschlossen sein soll. Babcock übernimmt neben dem Anlagenbauer Noell 50 Prozent der Kieler HDW, Preussag erhält im Gegenzug 30 Prozent an Babcock.

Der stellvertretende HDW-Aufsichtsratsvorsitzende und Kieler IG-Metall-Chef, Wolfgang Mädel, forderte, daß die strategische Ausrichtung des Kieler Schiffbauunternehmens nicht geändert werden dürfe. Außerdem müsse das 40 Millionen Mark teure Investitionsprogramm für überdachte Montageplätzen weiterlaufen. Notwendig sei zudem, daß Risiko-Rückstellungen gesichert blieben und die liquiden Finanzmittel der HDW nicht zu Babcock wanderten, sagte Mädel.

Die HDW-Belegschaft reagiert ebenfalls zurückhaltend auf die geplante Teilübernahme durch Babcock. Die Beschäftigten hätten bisher geglaubt, im Preussag-Konzern sicher zu sein, "aber wir sehen, auch das ist keine Gewähr", meinte der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende Holger Staade. HDW - mit rund 3400 Mitarbeitern und gut einer Milliarde Mark Umsatz - hat derzeit Aufträge bis 2001.

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