Außenhandel Wirtschaftskrisen kratzen am Exportüberschuß

Die deutschen Ausfuhren sind im Dezember um fast drei Prozent eingebrochen. Dadurch wurde sogar der für 1998 sicher geglaubte Rekordüberschuß im Außenhandel verfehlt.

Wiesbaden - Die deutschen Unternehmen haben im vergangenen Jahr Waren im Werte von knapp 950 Milliarden Mark im Ausland absetzen können - mehr als je zuvor. Der Exportüberschuß bleibt mit 128,6 Milliarden DM aber hinter dem Rekord aus dem Jahr 1989 mit 134,5 Milliarden Mark zurück. Diese Zahlen gab das Statistische Bundesamt am Mittwoch bekannt.

Aussschlaggebend für die unerwartete Dämpfung war der letzte Monat des Jahres, der von den Wirtschaftskrisen in Übersee gezeichnet war: Mit 75,6 Milliarden Mark fiel die Ausfuhr um 2,8 Prozent hinter den gleichen Vorjahresmonat zurück. Weil die Einfuhren zugleich auf 70 Milliarden Mark zulegten, schmolz der Dezember-Überschuß auf 5,6 (Vorjahr: 11,9) Milliarden Mark zusammen.

Der Präsident des deutschen Groß- und Außenhandelsverbandes, Michael Fuchs, sprach von "empfindlichen Einbußen" wegen der weltweiten Finanz- und Währungskrisen. "Dies wird uns auch noch im laufenden Jahr erhebliche Schwierigkeiten bereiten." Der von Rekordmeldungen verwöhnte Außenhändler Deutschland werde sich auch in den kommenden Monaten nicht von der Wachstumsschwäche erholen.

Die Märkte außerhalb der EU nahmen im Dezember sogar 4,7 Prozent weniger deutsche Waren ab als ein Jahr zuvor. Aber auch die Exporte innerhalb der EU, mit der Deutschland mehr als die Hälfte seines Außenhandels abwickelt, schrumpften im Berichtsmonat um 1,2 Prozent. Im Gegenzug legten die Einfuhren aus Drittländern im Dezember um 8,7 Prozent zu, verglichen mit plus 4,8 Prozent bei den EU-Importen.

Der Wert der Ausfuhren summiert sich für 1998 auf 949,7 Milliarden Mark. Aufgrund der zweistelligen Zuwachsraten in der ersten Jahreshälfte waren dies insgesamt noch 6,9 Prozent mehr als im bereits starken Exportjahr 1997. Gleichtzeitig legten allerdings auch die Importe um 6,3 Prozent auf 821,1 Milliarden Mark zu. Damit liegt der 98er Exportüberschuß von 128,6 Milliarden Mark mehr als zehn Prozent über dem Vorjahr, er ist aber, anders als noch vor kurzem erwartet, lediglich "der zweithöchste, der jemals in der deutschen Handelsbilanz erzielt worden ist".

Der kräftige Zuwachs in der Handelsbilanz reichte zudem nicht aus, um die seit der deutschen Einheit negative Leistungsbilanz wieder ins Plus zu hieven. Mit einem Defizit von 15,8 (Vorjahr: 7,1) Milliarden Mark fiel das Minus sogar deutlich stärker aus als 1997.

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