Holocaust-Gespräche Fonds für NS-Zwangsarbeiter

Für die Entschädigung ehemaliger Zwangsarbeiter aus der NS-Zeit soll in Kürze eine endgültige Regelung gefunden werden. An einem Fonds der deutschen Wirtschaft werden sich mindestens 17 Großunternehmen beteiligen.

Washington - Nach den Worten Bodo Hombachs könnten zu dem Fonds weitere Firmen dazustoßen, um sich gegen künftige Entschädigungsklagen abzusichern. Zum Abschluß seiner Gespräche mit Repräsentanten der Opferorganisationen und Vertretern der amerikanischen Regierung am Dienstag in Washington zeigte sich Hombach zufrieden mit den Ergebnissen.

Er erklärte, die Stiftung solle aus zwei Teilen bestehen. Der erste solle sich mit der Vergangenheit beschäftigen und im wesentlichen die Zahlungen an die Zwangsarbeiter leisten. Der zweite solle Modelle für die Zukunft entwickeln, die dazu beitragen, "daß sich so etwas nicht wiederholen kann". Eine Arbeitsgruppe solle möglichst früher als bisher geplant zum 1. September ein vollständiges Konzept vorlegen. Die Unternehmen, die nicht dabei seien, sollten angesprochen werden. Im Zweifelsfall müsse dies im öffentlichen Disput ausgetragen werden. Hombach nannte auch am Dienstag abend keine Summe, mit der die Fonds ausgestattet werden sollten.

Der Minister wertete die Ergebnisse seiner zweitägigen Amerikareise positiv. "Ich hatte nicht zu hoffen gewagt, daß wir auf so breite Zustimmung stoßen würden", sagte er. Er hob die Rolle von Deutsche-Bank-Chef Rolf Breuer lobend hervor, der der "Nukleus" dieses Entschuldigungsmodells sei. Breuer begleitete Hombach bei den Gesprächen. Nach Hombachs Einschätzung tragen alle Beteiligten in den Vereinigten Staaten die Grundzüge des deutschen Modells mit. Dies gelte auch für die Anwälte, die die Massenklagen gegen solche Unternehmen organisieren wollen. Der Sprecher des US-Außenministeriums, James Rubin, begrüßte den Verlauf der Gespräche. Beide Regierungen hofften darauf, ein gewisses Maß an Gerechtigkeit für die Opfer schaffen zu können.

Die Vereinbarung mit den in den USA lebenden Opfern sieht Hombach als ersten Schritt, dem vergleichbare Verhandlungen mit Israel und den mittel- und osteuropäischen Staaten folgen sollen. Er kündigte an, nach seiner Rückkehr Bundeskanzler Gerhard Schröder und Außenminister Joschka Fischer von den Ergebnissen zu unterrichten.

Schröder will noch am Mittwoch abend selbst nach Washington fliegen und auf Einladung von US-Präsident Bill Clinton im Weißen Haus zu Mittag essen. Dabei soll dieses Thema ebenfalls zur Sprache kommen.

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