Steuern Kritik von Aktionärsschützern und Händlern

Die Pläne der Bundesregierung zur Besteuerung von Aktiengewinnen könnten die Börsen belasten. Zwar seien die Steuersätze gering, doch der psychologische Faktor wiege schwer, warnen Experten.

Frankfurt am Main - Die Besteuerung sei grundsätzlich zwar verhältnismäßig gering, sagten Anlagestrategen und Aktionärsschützer am Montag. Es sei aber zu befürchten, dass den Anlegern weitere Abgaben drohten und sie daher verunsichert würden.

"Der psychologische Effekt wiegt schwer", sagte etwa Reinhild Keitel von der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK). Deutliche Kritik äußerten die Experten insbesondere am Vorhaben der Regierung, Erlöse aus dem Verkauf von Aktien aus dem Altbestand mit 1,5 Prozent zu versteuern.

"Da habe ich verfassungsrechtliche Bedenken", sagte Ulrich Hocker, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Aktienhändler verwiesen allerdings auch darauf, dass der kurzfristige Handel mit Aktien attraktiver werde, da die Besteuerung von Gewinnen aus dem Verkauf von Aktien innerhalb eines Jahres mit dem Einkommenssteuersatz künftig entfalle.

Die Bundesregierung hatte sich zuvor darauf verständigt, Gewinne aus Verkäufen von Aktien, Fondsanteilen und nicht selbst genutzten Immobilien mit 15 Prozent pauschal zu besteuern. Für Aktien gilt nach den Worten von Finanzminister Hans Eichel (SPD) allerdings das so genannte Halbeinkünfteverfahren, demzufolge nur 50 Prozent der Gewinne versteuert werden, womit der pauschale Satz hier bei 7,5 Prozent liegen würde. Für Aktien, die vor Beginn des neuen Gesetzes erworben wurden, soll ein pauschaler Steuersatz von 1,5 Prozent auf den Veräußerungserlös gelten.

Keine nachhaltige Belastung erwartet

Anlagestrategen verwiesen darauf, dass eine pauschale und unbefristete Steuererhebung auf Aktiengewinne dem Ziel einer börsengestützten Altersvorsorge zuwider laufe. Insgesamt sei aber nicht mit einer massiven und nachhaltigen Belastung für den deutschen Aktienmarkt zu rechnen, hieß es.

Das Urteil zur Besteuerung im allgemeinen fiel insgesamt milde aus: "Ich denke schon, dass das zähneknirschend akzeptiert wird", kommentierte DSW-Chef Hocker die Pläne. Prinzipiell könne er zwar eine Besteuerung von Aktiengewinnen nicht begrüßen, und vor allem die Behandlung der Altbestände sei "sehr problematisch", sagte er. Insgesamt schienen die neuesten Pläne aber hinnehmbar, weshalb er auch keine nachhaltige Schädigung für den deutschen Aktienmarkt sehe.

Voraussetzung sei aber, dass Anlageformen für Altersvorsorge wie Riester-Produkte oder vermögenswirksame Leistungen von der Besteuerung ausgeklammert würden, schränkte Hocker ein. "Wenn die Altersvorsorge raus ist und die Anrechenbarkeit von Verlusten bleibt, ist das irgendwo noch akzeptabel." Auch Rüdiger von Rosen, Chef des Deutschen Aktieninstituts (DAI), kritisierte die Besteuerung von Aktien grundsätzlich, sagte aber in der ARD: "Das ist nichts, was die Welt total aus den Angeln heben wird."

SdK-Chefin Keitel warnte indes davor, die Anleger zu verschrecken: "Das Signal ist im Grunde fatal", sagte sie mit Blick auf mögliche Ängste von Kleinaktionären vor weiteren Abgaben. "Jeder befürchtet, dass die Steuer erhöht wird, wenn sie der Regierung nicht das bringt, was sie sich davon verspricht." Insgesamt sei die Besteuerung zwar relativ bescheiden, aber "nicht produktiv" für den Kapitalmarkt.

Angst vor weiteren Abgaben

Aktienexperten erwarten zwar keinen Absturz der Börse infolge der neuen Steuerpläne, sehen in ihnen aber durchaus einen weiteren Belastungsfaktor für die ohnehin schwachen Märkte. "Die vorherigen Pläne zur Verlängerung des Spekulationsfrist auf fünf Jahre wären sinnvoller gewesen für eine längerfristige Förderung der Kapitalanlage", sagte Gertrud Traud, Leiterin Aktienstrategie bei der Bankgesellschaft Berlin.

Aktienstratege Roland Ziegler von der ING BHF-Bank verwies darauf, dass zwar die Aktienbesteuerung als solche eher niedrig sei, die Abgabenlast in Deutschland aber insgesamt "unglaublich hoch" ausfalle. Matthias Jörss von Sal Oppenheim warnte davor, dass die neuesten Steuerpläne nur "der Einstieg" seien und weitere oder höhere Abgaben folgen könnten.

Aktienhändler verwiesen allerdings auch darauf, dass durch die Pläne der kurzfristige Handel mit Aktien attraktiver werde. Auf den Gewinn aus dem Verkauf von Aktien innerhalb eines Jahres nach dem Kauf wird bislang eine Steuer in Höhe des persönlichen Einkommenssteuersatzes fällig, was künftig zu Gunsten der neuen Regelung entfallen soll.

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