Wall Street Neues von der Heimwerkerfront ...

Seit zwei Wochen treibt der Dow Jones seitwärts. Daran wird sich auch diese Woche nichts ändern. Quartalszahlen von Baumärkten sind nun mal keine Muntermacher.

New York - Am Dienstag legt also Home Depot  seine Quartalszahlen vor. Und am Mittwoch setzt Konkurrent Lowe's  noch einen drauf.

Analysten erwarten in beiden Fällen Gewinnsteigerungen von 20 Prozent, man kann von einem regelrechten Baumärkte-Boom sprechen. Das ist immerhin beruhigend, zeigt es doch, dass die Seele Amerikas gesund ist. Wer Häuser kauft und renoviert, so die Logik, hat noch genug Geld in der Tasche.

Doch an der Wall Street wird die Nachricht wahrscheinlich mit einem Gähnen aufgenommen werden - wie alles, was diese Woche im Kalender steht. Da ist die kaum existierende Inflation, die anzeigt, dass die Unternehmen immer noch keine "Pricing Power" haben. Oder die Reden verschiedener Fed-Banker, die ihre vorsichtig optimistische Einschätzung der Konjunktur schon in den vergangenen Wochen mehrfach kundgetan haben. Nicht gerade das, was man "Market Mover" nennt.

Weitere Seitwärtsbewegung erwartet

Angesichts des Zahlenmangels wird der Dow Jones voraussichtlich weiter lustlos dahintreiben. Bisher hat der Leitindex die Gewinne seit dem Tief am 9. Oktober halten können, er notiert 18 Prozent höher. Zuletzt war der Aufwärtsschwung jedoch bereits merklich gebremst.

Vergangene Woche legte der Dow magere 0,5 Prozent zu. "Die Märkte haben einfach keine rechte Überzeugung", kommentierte Paul Cherney, Börsenanalyst bei Standard & Poor's. Er rechnet mit der Fortsetzung des Seitwärtstrends bis mindestens zum Thanksgiving-Wochenende Ende November.

Ein Grund für das Ende der Rallye ist der drohende Irakkrieg. "Bis das Gespenst des Kriegs verschwunden ist, werden die Kurse nicht abheben", sagte Todd Leone, ein Händler von SG Cowen, gegenüber der Finanz-Website TheStreet.com. Der Nasdaq-Composite-Index allerdings könnte diese Woche immerhin das Hoch der August-Rallye übertreffen, er ist nur elf Punkte entfernt. Börsianer werten dies als Zeichen, dass die Kurse nicht noch einmal unter die Oktobertiefs fallen werden.

Hewlett-Packard im Blickpunkt

Hewlett-Packard im Blickpunkt

Schlagzeilen wird diese Woche wieder die Computerfirma Hewlett-Packard  machen. Nachdem Präsident Michael Capellas vergangene Woche seinen spektakulären Wechsel an die Spitze von Worldcom  angekündigt hat, stehen am Mittwoch nach Börsenschluss die Zahlen für das vierte Quartal des Geschäftsjahres an. HP-Chefin Carly Fiorina wird die Analysten und Anleger davon überzeugen müssen, dass der Abgang des ehemaligen Compaq-Chefs so kurz nach der Fusion keinen nachhaltigen Schaden bei HP hinterlässt.

Die Nachricht war an der Wall Street mit gemischten Gefühlen aufgenommen worden. Einige Analysten beklagten den Verlust des erfahrenen Tech-Managers, andere hatten längst damit gerechnet, dass ein ehemaliger CEO sich nicht auf Dauer mit der Nummer-Zwei-Position begnügen würde.

Analysten rechnen für das abgelaufene Quartal mit einem Gewinn von 22 Cents je Aktie - nach 19 Cents im gleichen Vorjahreszeitraum. Vor allem das operative Ergebnis hat sich dank Synergien wohl deutlich verbessert, obwohl HP die auf Grund der Fusion mit Compaq errungene Krone des PC-Marktführers kürzlich an Dell  zurückgeben musste.

Am Montag will HP-Chefin Fiorina auf der Computermesse Comdex ihre Vision für die Zukunft artikulieren. Gleichzeitig startet HP eine millionenteure Werbekampagne - die erste seit der Fusion vor knapp einem Jahr. Der neue Slogan lautet Berichten zufolge "Everything is possible". Mit so einem lahmen Spruch werde HP sich kaum von Dell und IBM  abheben können, nörgelten Analysten bereits im Vorfeld. IBM hatte vor wenigen Wochen ebenfalls eine neue Großkampagne gestartet.

IPO an der Wall Street geplant

Am Freitag dann gibt es an der Wall Street eine echte Seltenheit zu bestaunen: einen Börsengang. Die wagemutige Firma heißt Cosi und ist Amerikanern als Lunch-Treff bekannt. Cosi verkauft Fast-Food-Sandwiches in 79 so genannten "Restaurants" in elf Bundesstaaten. Das schnell wachsende Unternehmen möchte 50 Millionen Dollar erlösen, von denen 30 Millionen für die Expansion verwendet werden sollen.

Es ist bereits Cosis zweite Versuch, der erste wurde im April abgeblasen. Ob der Börsengang allerdings diesmal ein Erfolg wird, ist alles andere als sicher: Das Management hofft darauf, dass Anleger die roten Zahlen der Firma übersehen. In den ersten neun Monaten dieses Jahres machte Cosi einen Verlust von 17,4 Millionen Dollar bei einem Umsatz von 61 Millionen Dollar.

Dax-Wochenausblick: Der Optimismus wächst

Verwandte Artikel

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.