T-Aktie Sag' zum Absturz leise "Sorry"

Manfred Krug wirft Asche auf sein Haupt und bedauert sein Werbe-Engagement für die Telekom. Zum sechsten Geburtstag der "Volksaktie" zeigt er sich "bestürzt" über die Kursverluste. Er habe keine Ahnung von Aktien, sagt der Schauspieler. Den Anlegern nützt das wenig.

Berlin - Nach dem Ende des Börsenbooms bedauert der Schauspieler Manfred Krug (65) seine Werbung für die Telekom-Aktien. In einem Interview der "Bild am Sonntag" (BamS) zeigte er sich bestürzt über den Kursverfall und die Verluste der Anleger.

Krug wörtlich: "Ich kann mich überhaupt nicht darüber freuen, dass ich mich verwendet habe für eine Sache, die nicht geklappt hat. Das ist kein gutes Gefühl." Er habe "keine Ahnung von Aktien und die T-Aktie (Kurswerte anzeigen) selbst gekauft". Die Aktie sei sein erstes und bislang einziges Wertpapier.

Als "Selbstbestrafung" habe er seine T-Aktien behalten. "Das ist die Watschen, die ich mir selbst verpasst habe", sagte Krug. Er wirbt seit 1996 für die Telekom. Der Schauspieler hatte mit dazu beigetragen, dass weite Bevölkerungsteile ihre Skepsis gegen riskante Spekulationspapiere aufgaben und zu Aktionären wurden.

Im März vergangenen Jahres hatte Krug noch andere Täne angeschlagen. Einem geschädigten Aktionär, der sich bei dem Schauspieler wegen hoher Verluste durch die T-Aktie beklagt hatte, schrieb er: "Es liegt im Wesen der Aktien, daß sie unentwegt schwanken. Deshalb muß man sie gut beobachten."

"Wahrscheinlich konnten Sie den Hals nicht voll kriegen"

Zu allem Überfluss gab er dem Anleger einen Merkvers mit auf den Weg, der folgendermaßen lautete:

"Manchmal stehn die Aktien hoch,
und manchmal stehn sie niedrig,
ein Auf und Ab,
grad wie beim Arsch
vom alten Kaiser Friedrich."

Krug weiter: "Wahrscheinlich konnten Sie den Hals nicht voll kriegen und haben darauf gewartet, daß die Aktie steigt und steigt. Jetzt muß ich mir Ihr Gejammer anhören."

Der sechste Geburtstag war kein Freudentag

Zum sechsten Geburtstag der T-Aktie haben indes auch alle anderen Telekom-Aktionäre kein Grund zum Feiern. Neben dramatischen Kursverlusten müssen sie nun die nächste bittere Pille schlucken. Nach dem bislang höchsten Verlust eines Unternehmens im Deutschen Aktienindex Dax streicht das Management die Dividende für 2002.

Schlechte Nachrichten von der Börse kommen täglich, doch Hiobsbotschaften von der Telekom rütteln die Bundesbürger immer noch auf. "Die T-Aktie hat für Deutschland eine nationale Bedeutung wie keine andere", erkannte schon Ex-Telekom-Chef Ron Sommer. Dies war auch die eigentliche Ursache für den Rausschmiss des einst gefeierten Managers.

Die Telekom war indirekt Mit-Finanzier der "Telebörse"

Der Börsengang am 18. November 1996 gilt als Initialzündung für die neue Aktienkultur in Deutschland. "Die Telekom hat durch ihre Öffentlichkeitsarbeit die Aktie ins Bewusstsein der Deutschen gerückt", betont Franz-Josef Leven, Direktor beim Deutschen Aktieninstitut (DAI).

Unerwähnt lässt Leven, dass das Aktieninstitut einen erheblichen Teil dazu beigetragen hat, "die Aktie ins Bewusstsein der Deutschen" zu rücken. Das DAI (in dem auch die Deutsche Telekom (Kurswerte anzeigen) vertreten ist) gehörte, zusammen mit einigen Banken und der Deutschen Börse , über die "Deutsches Börsenfernsehen GmbH" (DBF) jahrelang zu den Geldgebern der Sendung "Telebörse" auf n-tv. Insgesamt wurde bis Ende 2000 ein mehrstelliger Millionenbetrag zur Verfügung gestellt, ohne dass allerdings der Zuschauer von dieser Art der Finanzierung erfuhr.

Die Wut der Aktionäre

Am ersten Börsentag der T-Aktie (Kurswerte anzeigen) floss der Champagner an der Frankfurter Wertpapierbörse in Strömen. Zum Debüt der Volksaktie hatte sich fast alles versammelt, was in der Finanzwelt Rang und Namen besaß. Die Spitzen der Großbanken und Politprominenz gaben sich ein Stelldichein. "Das ist ein wunderbarer Tag für die Telekom, für die Börse und den Finanzplatz Deutschland", schwärmte der damalige Chef der Deutschen Bank, Hilmar Kopper.

Der Einstiegspreis von 28,50 DM (14,57 Euro) explodierte im Taumel der Begeisterung für moderne Technologien in nicht einmal vier Jahren auf den historischen Höchststand von 103,50 Euro. Heute dümpelt die Aktie Lichtjahre davon entfernt bei elf Euro.

Nicht zuletzt der Tatort-Kommissar Krug brach die Skepsis weiter Bevölkerungsteile gegen riskante Spekulationspapiere. Damals wurden in der Bundesrepublik lediglich 3,7 Millionen Aktionäre gezählt. Vier Jahre später waren es schon 6,2 Millionen. Zum Höhepunkt der Euphorie hielt beinahe jeder zehnte Bundesbürger Anteile an Aktiengesellschaften.

Strafanzeigen gegen die Konzernspitze

Doch es folgte ein böses Erwachen: Die Börsenkurse brachen weltweit ein. Bei der Telekom schlugen - neben schmilzenden Gewinnen - viel zu hoch bewertete Immobilien zusätzlich ins Kontor.

Aufgebrachte Aktionäre brachten die ersten Strafanzeigen gegen die Konzernspitze auf den Weg. Die Enttäuschten hegten den Verdacht, die Führungsetage habe schon viel früher von den Immobilienproblemen gewusst.

September 2001: Aktie erstmals unter Ausgabepreis

Für einen weiteren Tiefschlag sorgte im August 2001 die Deutsche Bank. Das Kreditinstituts empfahl die Aktie zum Kauf. Wenig später verkaufte das Geldhaus im Auftrag eines Großaktionärs ein riesiges Paket von rund 44 Millionen Papieren. Kurz darauf wurde bekannt, dass der finnische Konzern Sonera vor Ablauf seiner Haltefrist in aller Heimlichkeit 22 Millionen Aktien abgestoßen hatte - mit Wissen der Telekom.

Erstmals einen Tag vor den Anschlägen des 11. Septembers 2001 in den USA fiel der Aktienkurs unter den Ausgabepreis. Der Unmut der Anleger erreichte seinen vorläufigen Höhepunkt, als das Management einerseits die Dividende kürzte, sich selbst aber eine kräftige Gehaltserhöhung genehmigte.

Auf der legendären Hauptversammlung 2002 entlud sich die Empörung in Buhrufen und Tiraden gegen Ron Sommer. Mit dem neuen Chef Kai-Uwe Ricke probt die Telekom nun den Neuanfang.


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