Comdirect Blick nach vorn

Kosten für die Neustrukturierung belasten. Allerdings bleibt operativ ein Gewinn.

Frankfurt - Der Online-Broker Comdirect , der mehrheitlich zur Commerzbank gehört, ist wegen hoher Restrukturierungskosten im dritten Quartal deutlich in die roten Zahlen gerutscht. Der Vorsteuerverlust im dritten Quartal habe 30,16 Millionen Euro betragen nach einem Fehlbetrag von 12,87 Millionen Euro im Vorjahresquartal, teilte die Bank mit Stammsitz in Quickborn am Freitag mit.

Das Vorsteuerergebnis sei jedoch durch Restrukturierungsaufwendungen in Höhe von 32 Millionen Euro belastet, die voll im dritten Quartal verbucht worden seien. Das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit wies ein Plus von 1,81 Millionen Euro aus, nach einem Minus von 12,87 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum.

Für das kommende Jahr gehe die Bank auf Grund der Restrukturierungsmaßnahmen von einem "deutlich besseren" Ergebnis aus, teilte Vorstandschef Achim Kassow im Aktionärsbericht mit. Für das Gesamtjahr rechne er im Konzern mit einem positiven Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit.

Jeder Dritte muss gehen

In den ersten beiden Quartalen des Geschäftsjahres hatte Comdirect vor Steuern Gewinne von 298.000 Euro beziehungsweise 2,1 Millionen Euro erzielt, die zum Teil auf die Trennung von den defizitären Auslandstöchtern der Bank in Frankreich und Italien zurückzuführen waren. Anfang September hatte Kassow dann ein umfangreiches Restrukturierungsprogramm angekündigt, um Comdirect auch in einem anhaltend schwachen Marktumfeld profitabel machen zu können. Unter anderem will Comdirect bis Ende des ersten Quartals 2003 rund 300 seiner 871 Vollzeitstellen in Deutschland streichen. Die jetzt verbuchten Restrukturierungskosten hatte Kassow damals bereits angekündigt. Das Restrukturierungsprogramm habe im dritten Quartal bereits erste Wirkungen gezeigt, teilte Kassow weiter mit. "Wir liegen mit sämtlichen Maßnahmen und Zielsetzungen voll im Plan", heißt es im Zwischenbericht. Vor allem die Kosten konnte die Comdirect weiter drücken. Die Verwaltungskosten der Bank sanken im dritten Quartal auf 33,2 Millionen Euro, nach 41,2 Millionen Euro im Vorjahr.

Der Zinsüberschuss nach Risikovorsorge stieg auf 14,82 (13,58) Millionen Euro. Der Provisionsüberschuss stieg ebenfalls auf 19,06 (18,27) Millionen Euro.

Angesichts der angespannten Situation an den Aktienmärkten wird bereits seit geraumer Zeit über eine mögliche Fusion der Comdirect mit der Online-Tochter der HypoVereinsbank, DAB Bank spekuliert. Commerzbank-Vorstandschef Klaus-Peter Müller hatte jüngst gesagt, er rechne mit Sondierungsgesprächen. Derzeit sei es dafür aber noch zu früh.

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