MLP Schuld sind immer die anderen

Die bereits gesenkte Jahresprognose wackelt. Die Schuld dafür schiebt der Konzern auch der Bundesregierung zu. Analysten stufen indes den Wert auf Verkaufen und sprechen von einer Gewinnwarnung. Die Aktie fällt deutlich

Heidelberg - Der Finanzdienstleister MLP  stellt seine bereits drastisch gesenkte Gewinnprognose für 2002 angesichts der schwachen Börsen und der Konjunkturflaute in Frage.

Allein aus dem operativen Geschäft seien die angestrebten 100 Millionen Euro vor Steuern nur schwer erreichbar, teilte der Versicherungs- und Finanzmakler am Freitag in Heidelberg mit. In Firmenkreisen hieß es, das Ziel würde aber allenfalls um zehn Prozent unterschritten.

Der schleppende Verkauf von Produkten für die private Altersvorsorge und die durch den wirtschaftspolitischen Zickzackkurs der Politik verursachte Unsicherheit bei den Kunden würden jedoch auch das vierte Quartal belasten.

Analysten üben weiter Kritik – Verkaufsempfehlungen

Im dritten Quartal konnte MLP trotz öffentlicher Kritik um seine Geschäfts- und Bilanzierungspraxis die Gesamterlöse um 14 Prozent ausbauen. Der Gewinn vor Steuern halbierte sich aber auf 7,7 (Vorjahr: 15,3) Millionen Euro. Die Aktie gab bis zum Mittag fast vier Prozent ab und fiel unter die Marke von zwölf Euro.

Analysten von SEB zeigten sich am Freitag von den Ergebnissen enttäuscht und stuften die Aktie auf "Verkaufen". Mit Kurs-Gewinn-Verhältnissen von 25 (2002) und 21,5 (2003) sei die Aktie angesichts der abgeschwächten Wachstumsraten nicht preiswert. Ferner müsse MLP weiterhin noch viele Vorwürfe und Untersuchungen verteidigen. Die früheren Wachstumsraten würden der Vergangenheit angehören. MLP müsse noch beweisen, dass das operative Geschäft nicht nachhaltig gefährdet sei.

Erwartungen bereits im August reduziert

Grund für den Einbruch im Ergebnis seien die Fehler der Vergangenheit, sagte Analyst Hartmuth Höhn von der Berenberg Bank. MLP habe sich – wie andere Unternehmen der Branche auch - zu positiv dargestellt und habe dies nun korrigiert. "Das ist die klare Gewinnwarnung, die ich erwartet hatte", sagte Marc Thiele von der Commerzbank in London. Er hatte die Aktie in der vergangenen Woche bereits auf "Verkaufen" heruntergestuft.

MLP hatte bereits Anfang August seine Erwartungen für das Jahr 2002 um nahezu die Hälfte nach unten korrigiert und eine Abkehr von einigen umstrittenen Bilanzierungsmethoden versprochen. Statt einer 30-prozentigen Gewinnsteigerung auf 195 Millionen Euro vor Steuern rechnete der Konzern seither mit einem Einbruch auf 100 (Vorjahr: 150,7) Millionen Euro - ohne Zusatzerträge.

Der Erlös von bis zu 90 Millionen Euro aus dem Verkauf der Beteiligung an der Österreich-Tochter MLP Leben an den Partner Uniqa sollte nur zur Reduzierung der Rückversicherungs-Quote verwendet werden und nicht ins Ergebnis einfließen. Jetzt kommt zumindest eine erste Rate von 45 Millionen Euro doch dem Ergebnis zu Gute, das damit vor Steuern doch noch deutlich über 100 Millionen Euro liegen soll.

"Das Geschäftsmodell ist robust"

Vorstandschef hält Geschäftsmodell für robust

In den ersten neun Monaten ging der Gewinn vor Steuern auf 60,8 (69,0) Millionen Euro zurück, obwohl die Gesamterlöse um 15 Prozent auf 725 Millionen Euro wuchsen. "Dies zeigt die enorme Robustheit unseres Geschäftsmodells", urteilte MLP-Vorstandschef Bernhard Termühlen. Auch die Zahl der Kunden sei trotz massiver Kritik an MLP um 9000 auf 495.000 gestiegen, Bis zum Jahresende können es mehr als 500.000 werden.

Die Verunsicherung des Kapitalmarktes, vor allem aber die geplanten Änderungen bei Steuern und Sozialversicherungsbeiträgen durch die Bundesregierung sowie die Diskussion um die Riester-Rente hätten die Voraussetzungen für das gewohnt starke Jahresschluss-Geschäft eingetrübt, begründete MLP die zunehmende Skepsis.

Zweistellige Wachstumsraten erwartet

Für die kommenden Jahre rechne MLP aber wieder mit deutlich zweistelligen Wachstumsraten. Interessanterweise begründet der Konzern seinen Optimismus mit dem von der Bundesregierung forcierten Zwang einer verstärkten privaten Altersvorsorge.

Nach Angaben aus Unternehmenskreisen geht MLP für das vierte Quartal dennoch von einem Ergebnis von mindestens 28,6 Millionen Euro aus - dem Wert, den das Unternehmen im bisher besten Quartal des Jahres, dem zweiten, erreicht hatte. Daraus ergäbe sich 2002 ein Gewinn von rund 90 Millionen Euro. "Das ist die Untergrenze", hieß es. Auch 100 Millionen Euro seien noch im Bereich des Möglichen. MLP wollte sich dazu aber nicht äußern.

Suche nach einem Finanzvorstand läuft weiter

Ein MLP-Sprecher sagte, ohne den Abbau des rückversicherten Neugeschäfts wäre das Ergebnis in den ersten neun Monaten zwölf Millionen Euro höher ausgefallen. Die als zu hoch kritisierte Rückversicherungsquote sei auf 32 von 45 Prozent abgeschmolzen.

1,6 Millionen Euro hätten Anwälte, Berater und Werbung gekostet, mit deren Hilfe sich MLP gegen die Vorwürfe des Anlegermagazins "Börse Online" und andere Angriffe von außen wehrte. Sie hatten MLP über Monate beschuldigt, künftige Erträge durch Bilanztricks vorzeitig verbucht und so das Ergebnis geschönt zu haben.

Noch vor Jahresende will MLP erstmals einen Finanzvorstand ernennen. Der neue Mann werde von außerhalb des Konzerns kommen, sagte der Sprecher. Die Suche laufe nach Plan.

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