Allianz Höchster Verlust der Konzerngeschichte

Der Fehlbetrag im dritten Quartal steigt auf 2,5 Milliarden Euro. Konzernchef Schulte-Noelle schließt rote Zahlen für das Gesamtjahr nicht aus.

München - Die Allianz  hat im dritten Quartal 2002 deutlich mehr Verlust erwirtschaftet als von Analysten erwartet. Damit legten die Münchener das schlechteste Quartalsergebnis der Unternehmensgeschichte vor.

Die Aktie legte daraufhin eine Achterbahnfahrt hin: Zum Börsenstart verlor das Papier rund 2,5 Prozent und notierte unter 95 Euro. Auf diesem Kurslevel griffen Investoren jedoch trotz der schwachen Zahlen wieder zu: Bis 11.30 Uhr notierte die Aktie wieder über 100 Euro, ein Plus von mehr als drei Prozent. "Einige institutionelle Anleger scheinen der Ansicht zu sein, dass es nun nicht mehr schlimmer kommen kann", kommentierte ein Händler den Turnaround.

Das Unternehmen teilte am Donnerstag mit, der Fehlbetrag habe 2,5 Milliarden Euro betragen, verglichen mit 356 Millionen Euro Verlust im Vorquartal und einem Minus von 46 Millionen Euro im dritten Quartal des Vorjahres.

Von Reuters befragte Analysten hatten Fehlbeträge zwischen 828 Millionen Euro und 2,79 Milliarden Euro für die von der Marktschwäche getroffene Finanzgruppe prognostiziert. Der Mittelwert ihrer Schätzungen hatte bei 1,66 Milliarden Euro gelegen.

Das Unternehmen begründet die schwachen Zahlen im Wesentlichen mit einer Häufung von Sondereffekten. Dazu gehören Rückstellungen für Asbestschäden bei der US- amerikanischen Tochtergesellschaft Fireman's Fund, die Flutkatastrophe, der Einbruch an den Kapitalmärkten und eine weiterhin hohe Risikovorsorge bei der Dresdner Bank.

Fahrholz sieht noch keine Trendwende

In den ersten neun Monaten verbesserte sich laut Allianz das operative Geschäft in den meisten Bereichen aber deutlich. Die gesamten Beitragseinnahmen im Versicherungsgeschäft seien weltweit um 11,9 Prozent auf 61,5 Milliarden Euro gestiegen. Die um Flut und Asbest bereinigte Combined Ratio (das Verhältnis von Schadenaufwendungen und Kosten zu den verdienten Nettobeiträgen) verbesserte sich auf 101,5 Prozent. Im Asset Management betrugen die Nettomittelzuflüsse währungsbereinigt 43 Milliarden Euro.

Die Allianz teilte mit, die im vergangenen Jahr übernommene Dresdner Bank habe im dritten Quartal allein mit 972 Millionen Euro zum Konzernverlust beigetragen. Im Bankgeschäft sei die Ertragslage weiterhin sehr unbefriedigend. Die starken Umsatzrückgänge seien durch die Kosteneinsparungen von 10,7 Prozent nicht aufgefangen worden. Dresdner-Bank-Chef und Allianz-Vorstand Bernd Fahrholz gab zudem einen pessimistischen Ausblick auf das vierte Quartal: "Die schlechte Verfassung der Kapitalmärkte lassen auch zum Jahresende noch keine Trendwende erkennen. Es bleibt eine Menge zu tun."

Prognose fürs Geschäftsjahr 2002 nicht möglich

"Wir dürften damit den Tiefpunkt hinter uns haben. Der Wegfall von einmaligen Belastungen, eine verbesserte Combined Ratio im Versicherungsgeschäft und die positiven Erträge aus den eingeleiteten Restrukturierungen werden nun wieder in einen Aufwärtstrend führen", sagte Allianz-Chef Henning Schulte-Noelle am Donnerstag. Dass auch das Gesamtgeschäftsjahr mit roten Zahlen abgeschlossen wird, schloss die Allianz nicht aus. Es könne jedoch keine verlässliche Prognose gemacht werden.

Über die Folgen der schlechten Zahlen für Mitarbeiter und Kunden blieb der Konzernchef undeutlich. "Die derzeitige Marktlage erleichtert die Umsetzung von konsequenten und zukunftsweisenden Maßnahmen. Deshalb sehen wir in dieser schwierigen Phase vor allem auch die Chancen und haben das feste Ziel, gestärkt aus ihr hervorzugehen", sagte Schulte-Noelle.

"Die Anhäufung negativer Sonderfaktoren wie die weiterhin sehr schlechte Verfassung der Kapitalmärkte, die zunehmende Risikohäufung durch Naturkatastrophen oder Insolvenzen hat uns im dritten Quartal unverhältnismäßig hart getroffen. Sie verstellten den Blick auf die Verbesserungen im operativen Geschäft", ergänzte Controlling-Vorstand Helmut Perlet, der zusätzlich innerhalb der Allianz-Group Fahrholz bei der Sanierung der Dresdner Bank auf die Finger schauen soll.

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