Deutsche Telekom Ricke einstimmig bestellt

Die monatelange Suche nach einem Vorstandschef hat endlich ein Ende. Kai-Uwe Ricke heißt der neue Hoffnungsträger. Analysten erwarten gegen Mittag schlechte Quartalszahlen und Abschreibungen in Milliardenhöhe.

Frankfurt - Kai-Uwe Ricke wird wie erwartet neuer Vorstandsvorsitzender der Deutschen Telekom . Bereits am morgigen Freitag werde Ricke sein neues Amt antreten, teilte die Telekom am Donnerstag in Bonn mit. Der Aufsichtsrat habe den 41-jährigen Chef der Mobilfunksparte der Telekom einstimmig zum Nachfolger des Interims-Vorstandsvorsitzenden Helmut Sihler gewählt, hieß es. Sihler hatte nach dem Rücktritt von Vorstandschef Ron Sommer die Konzernführung im Juli übergangsweise übernommen.

Wie die "Financial Times Deutschland" heute berichtete, will Ricke nun die Konzernspitze der Telekom komplett umbauen. Das Führungsgremium solle teilweise neu besetzt und zugleich verkleinert werden, hieß es. Interims-Chef Sihler dürfte wieder in den Aufsichtsrat wechseln.

Märkte warten auf neue Strategie

Die krisengeschüttelte Telekom dürfte weitere entscheidende Weichenstellungen für ihre zukünftige Ausrichtung vornehmen. Neben der offiziellen Nominierung Rickes soll der Aufsichtsrat des größten europäischen Telekom-Anbieters auch über die weitere Firmenstrategie im In- und Ausland entscheiden. Erwartet werden unter anderem detaillierte Aussagen zum Abbau der Verschuldung von zuletzt rund 64 Milliarden Euro sowie zur Zukunft der US-Mobilfunktochter Voicestream.

Tochter Voicestream wird wohl nicht verkauft

Entgegen vereinzelter Hoffnungen am Kapitalmarkt wird die 2001 für mehr als 40 Milliarden Euro erworbene Voicestream nach Angaben des Interims-Vorstandschefs Helmut Sihler in absehbarer Zeit nicht verkauft. Die mittlerweile als T-Mobile USA firmierende Gesellschaft hat sich dort in den vergangenen Quartalen zur am schnellsten wachsenden Mobilfunkfirma entwickelt.

Zugleich will die Telekom gegen Mittag ihre aktuellen Geschäftszahlen vorlegen. Der Konzern könnte für das dritte Quartal einen Rekordverlust von bis zu 30 Milliarden Euro ausweisen. Grund dafür sind Wertberichtigungen auf Firmenwerte und Mobilfunklizenzen in den USA. Daher plant der Vorstand auch, die bereits einmal reduzierte Dividende nun für 2002 ganz ausfallen zu lassen. Der Aktienkurs büßte am Vormittag ein Prozent auf 11,12 Euro ein.

Der Konzern hat indes nach Ansicht von Analysten im dritten Quartal operativ und beim Umsatz weiter zugelegt. Experten rechnen im Durchschnitt mit einem Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) von 4,21 Milliarden Euro nach 3,9 Milliarden Euro im Vorjahreszeitraum. Europas größter Telekomkonzern veröffentlicht heute seine Daten.

Sparprogramm wird verschärft

Auf den neuen Vorstandschef Ricke wartet keine leichte Aufgabe. Denn noch immer ist nicht geklärt, wie der Bonner Konzern seine Schulden bis Ende kommenden Jahres von zuletzt 64 Milliarden Euro auf 50 Milliarden Euro reduzieren will. Auf der Bilanzpressekonferenz wird die Telekom daher voraussichtlich eine weitere Verschärfung des Sparprogramms "E3" bekannt geben.

Ein Stellenabbau über die bislang bekannten 50.000 Arbeitsplätze hinaus gilt aber als unwahrscheinlich. Der Branchenprimus wird wohl auch an seiner Vier-Säulen-Strategie festhalten. Erwartet wird vielmehr eine breite Flut einzelner Sparmaßnahmen.

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