Corporate Governance Erst Schmuddelkinder, jetzt Musterschüler

Kaum Interesse an Transparenz. Nur zehn Unternehmen nehmen die "Frankfurter Erklärung" an.

Frankfurt am Main/Hamburg - Nach langem Zögern haben am Mittwoch zehn Nemax-50-Unternehmen die "Frankfurter Erklärung" unterschrieben. Diese baut auf dem Corporate-Governance-Kodex auf, ist in einigen Punkten jedoch weiterführend. Kurz vor der Einstellung des Skandalsegments Neuer Markt wird damit offensiv für mehr Transparenz geworben.

Nach Angaben der Deutschen Börse handelt es sich bei der Erklärung um eine freiwillige Initiative der Unternehmen. Die Börse selber moderiere lediglich und stelle ihre Expertise zur Verfügung, sagte eine Sprecherin auf Anfrage von mm.de. Dass zehn der im Neue-Markt-Auswahlindex notierten Gesellschaften die Erklärung unterschrieben haben, sei "ein guter Start". Weitere hätten Interesse signalisiert.

In Marktkreisen hieß es hingegen, dass die Börse eine aktive Rolle bei der "Frankfurter Erklärung" gespielt und die Unternehmen zur Unterschrift gedrängt habe. Auf Grund des geringen Interesses sei der Abgabe-Termin sogar zweimal verschoben worden. Ursprünglich sollten dreiviertel der im Nemax 50 notierten Gesellschaften für die Erklärung gewonnen werden. Gemessen an den zehn geleisteten Unterschriften wäre die Resonanz damit enttäuschend.

Die Erklärung enthält alle Soll-Empfehlungen des Corporate Governance Kodex sowie die meisten Anregungen und macht diese verpflichtend. Die Unternehmen verpflichten sich zum Beispiel zu einer Verkürzung der Fristen für die Berichtspflicht auf 45 Tage für Quartalsberichte. Sie erleichtern die Stimmrechtsausübung der Aktionäre in der Hauptversammlung durch die Bereitstellung eines unabhängigen Vertreters, übertragen Teile der Hauptversammlung im Internet und berufen bei Vorliegen eines Übernahmeangebots in angezeigten Fällen eine außerordentliche Hauptversammlung ein.

Zusätzlich erklären sich diese Unternehmen bereit, die Vergütung für den Vorstand und Aufsichtsrat individualisiert nach fixen und variablen Bestandteilen offen zu legen. Zudem sollen Beratungs- und Vermittlungsmandate von Aufsichtsratsmitgliedern erläutert sowie ein Audit Committee bei einem Aufsichtrat von mehr als drei Mitgliedern eingerichtet werden. Der Vorsitzende des Audit Committee darf nicht gleichzeitig Vorsitzender des Aufsichtsrats oder ehemaliges Vorstandsmitglied sein.

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