Siemens Der Riese schwächelt

Konzernchef Heinrich von Pierer hat die Märkte mit einem trüben Geschäftsausblick aufgeschreckt. Im abgelaufenen Quartal wurde immerhin noch ein kleiner Gewinn verbucht.

München - Der Siemens-Konzern  stellt sich nach einem enttäuschendem vierten Quartal des Geschäftsjahres 2001/2002 auf harte Zeiten ein. "Das Jahr 2003 wird ein Jahr der Herausforderungen", sagte Siemens-Chef Heinrich von Pierer am Mittwoch in München.

Nach der Bereinigung des Portfolios und höheren Belastungen für den Pensionsfonds erwarte Siemens eher rückläufige Volumenzahlen. Bei den Planungen habe Siemens keine durchgreifende Besserung des wirtschaftlichen Umfeldes unterstellt. Die Aktie konnte sich bis zum Nachmittag wieder von ihren deutlichen Verlusten erholen.

Das abgelaufene Geschäftsjahr 2001/02 (30. September) schloss Siemens trotz der High-Tech-Krise vor allem wegen einer Reihe positiver Sondereinflüsse mit einem Gewinnplus ab. Der Jahresüberschuss sei von 2,1 Milliarden Euro auf 2,6 Milliarden Euro geklettert. Der Umsatz blieb mit 84 Milliarden Euro drei Prozent unter dem Vorjahreswert.

Der Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) aus dem operativen Geschäft verbesserte sich von 1,329 Milliarden Euro auf 2,474 Milliarden Euro. Die von dpa-AFX befragten Analysten hatten hier mit einem Gewinn von rund 2,7 Milliarden Euro gerechnet.

Dividende bleibt bei einem Euro

Im vierten Quartal des Geschäftsjahres 2001/02 erwirtschaftete Siemens belastet durch hohe Restrukturierungskosten nur noch einen Gewinn nach Steuern von 53 Millionen Euro nach einem deutlichen Minus von rund 1,1 Milliarden im Vorjahr. Im dritten Quartal hatte Siemens allerdings noch einen Überschuss von 725 Millionen Euro erwirtschaftet. Analysten hatten hier mit deutlich mehr gerechnet.

Die Aktie verlor zeitweise um mehr als sechs Prozent auf 41,82 Euro, erholte sich später aber wieder und notierte nur noch 1,59 Prozent im Minus bei 43,92 Euro. Als Dividende wird das Unternehmen der Hauptversammlung erneut 1 Euro je Aktie vorschlagen.

Milliardenhilfe für Pensionsfonds

Wegen des Kursverfalls der Infineon-Aktie  musste Siemens seinem Pensionsfonds, der einen Teil der ehemaligen Siemens-Tochter hält, eine kräftige Kapitalspritze geben. Diese belaufe sich auf insgesamt 2,601 Milliarden Euro, wobei 819 Millionen Euro zu Beginn des Geschäftsjahres 2003 anfielen. Im abgelaufenen Jahr musste Siemens 1,782 Milliarden Euro in die Pensionskasse nachschießen.

Der Siemens Pensions-Fonds e.V. hält 87 Millionen Infineon-Aktien oder 12,08 Prozent der ausstehenden Anteile. 200 Millionen oder 27,74 Prozent an Europas zweitgrößten Halbleiterhersteller hatte Siemens im Dezember 2001 treuhänderisch an die First Union Trust Company übertragen. Siemens hält noch 11,97 Prozent über die Siemens Nederland N.V..

Trotz der Mittelabflüsse in die Pensionskasse in Höhe von 1,78 Milliarden Euro erzielte Siemens im vierten Quartal einen Mittelzufluss aus laufender Geschäftstätigkeit in Höhe von 1,22 Milliarden Euro nach 5,52 Milliarden Euro im Vorjahr. Mit der Einnahme aus Unternehmensverkäufen in Höhe von 331 Millionen Euro (Vorjahr minus 1,1 Milliarden Euro) habe sich ein Gesamtzufluss an liquiden Mitteln von 1,55 Milliarden Euro ergeben - ein Minus von rund 2,87 Milliarden Euro gegenüber dem Vorjahreswert.

Pensionsfonds: Das böse Erwachen

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