Deutsche Börse Ritterschlag aus eigener Hand

Die Frankfurter heben sich selbst in den Dax. Epcos muss dagegen für das von Werner Seifert geführte Unternehmen den Leitindex verlassen. Wolfgang Gerke, Mitglied des Börsenrates, verteidigt die umstrittene Entscheidung.

Frankfurt am Main - Die Deutsche Börse  wird ab dem 23. Dezember den Platz des Technologiekonzerns Epcos  im Deutschen Aktienindex einnehmen. Damit rückt die Betreibergesellschaft der Frankfurter Wertpapierbörse als erste Börse in einen der führenden Aktienindizes der Welt auf.

Dass nun die Deutsche Börse von ihren selbst aufgestellten Regeln profitiert und nun an anderen Dax-Aspiranten wie Beiersdorf vorbeigezogen ist, stößt einigen Marktteilnehmern sauer auf. Doch gab es nicht nur Kritik an der Entscheidung: "Die Börse hat die entscheidenden Kriterien erfüllt", sagte Professor Wolfgang Gerke, Mitglied im Börsenrat und der Börsen-Sachverständigen-Kommission.

"Kriterien sind sinnvoll"

Gerke weiter: "Vielleicht wäre es schöner gewesen, wenn zunächst ein anderes Unternehmen aufgestiegen wäre. Aber wenn die Börse bei den entscheidenden Kriterien die Nase vorn hat, dann soll sie auch reinkommen."

Die Kriterien Umsatz und Marktkapitalisierung seien in jedem Fall sinnvoll, da sie eine Aufforderung an Unternehmen seien, ihre Aktien möglichst breit zu streuen und damit Liquidität zu schaffen. Die 30 im Dax notierten Unternehmen seien sehr unterschiedlich in ihren Umsatzvolumina, fügte Gerke im Gespräch mit manager magazin.de hinzu. Der Anleger müsse aber bei allen Dax 30 Werten Gewissheit haben, dass genug umläuft.

Umsatzanstieg durch Verkäufe durch Deutsche Bank

Stimmen, die nach den andauernden Querelen um die Unternehmensbilanzen einen Ausschluss des Finanzdienstleisters MLP gefordert hatten, erteilte Gerke eine Absage. "Die Deutsche Börse entscheidet nicht, wie gut ein Unternehmen geführt wird, sondern ob genug Handelsvolumen zustande kommt und ob Fonds investieren können. Das sind völlig andere Gesichtspunkte". Die Börse sei keine Instanz, die das Management von Unternehmen beurteile.

Die Deutsche Bank hatte sich kürzlich von Anteilen an der Deutschen Börse getrennt und damit die Umsätze deutlich in die Höhe getrieben. "Der Verkauf der Anteile hat sicherlich die Aufnahme der Deutschen Börse in den Dax gefördert", räumte Gerke ein. Jedoch schließe er eine "konzertierte Aktion" aus: Die Deutsche Bank habe eher aus Eigeninteresse gehandelt, da sie ihr Ergebnis verbessern müsse und daher sich von einem Teil ihres Tafelsilbers getrennt habe.

Epcos muss weichen

Epcos weicht wegen geringer Marktkapitalisierung

Der zuständige Arbeitskreis Aktienindizes hatte beschlossen, Epcos auf Grund der seit langem unter dem geforderten Niveau liegenden Marktkapitalisierung aus dem Leitindex zu nehmen und die Börse in den Dax aufrücken zu lassen, teilte die Börse am späten Dienstagabend mit.

Während Epcos auf der maßgeblichen Oktoberrangliste nach Börsenwert nur Platz 52 eingenommen hatte, lag die Börse auf Position 19. Epcos wird den Angaben zufolge ab dem 23. Dezember im MDax notieren und später - nach dem Umbau der Indexwelt der Deutschen Börse im März 2003 - in den neuen TecDax wechseln. Die Börse tauschte auch im Nemax50 sowie im MDax Unternehmen aus.

Börse änderte Procedere und rutschte in den Dax

Die Deutsche Börse gilt seit langem als Anwärter auf einen Platz im von ihr selbst berechneten deutschen Leitindex. Nachdem zuletzt Stimmen laut geworden waren, es mute merkwürdig an, dass die Börse sich selbst in ihren Index befördere, hatte sie für diese Entscheidung das Prozedere geändert. Der mit Marktteilnehmern besetzte Arbeitskreis Aktienindex, der üblicherweise nur eine beratende Funktion hat, war in diesem Fall der Entscheidungsträger.

"FMC und Fresenius keine Technologieunternehmen"

Die Börse änderte ihre Einstufung der im Dax notierten Fresenius Medical Care  und der im MDax gelisteten Fresenius als "Technologiekonzerne" und stufte sie als "klassische Industrie" ein. Dies hat zur Folge, dass Fresenius bei der Neugliederung nicht in den TecDax wechseln muss.

Außerdem will die Börse den Angaben zufolge die Einstufung von Handelsunternehmen, die sich als Technologieunternehmen und nicht als "klassische Industrie" verstehen, nochmals überprüfen und weitere Meinungen von Unternehmen und Marktteilnehmern einholen. Bei der Vorstellung der neuen Indexzuordnung hatte es Stimmen gegeben, die beispielsweise gegen eine Einsortierung des Halbleiterhändlers CE Consumer  bei der "klassischen Industrie" protestiert hatten.

Repower ersetzt Senator im Nemax 50

Im Schatten der Dax-Entscheidung tauschte die Börse auch im Nemax 50 zwei Werte aus. Der Windenergiespezialist Repower  wurde in den Auswahlindex des Neuen Marktes aufgenommen. Die Senator Entertainment  muss den Auswahlindex dagegen im Dezember verlassen.

Neu in den SDax kommen Autania , Medisana , Surteco  und Washtec . Aus dem Index herausgenommen werden dafür die Unternehmen Capital Stage , SM Wirtschaftsberatung , TFG Venture Capital  und Vogt Electronic , die das Segment Smax zum 23. Dezember verlassen müssen.

And the winner is ... Deutsche Börse

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