Arbeitsmarkt Warnung vor Konjunkturdelle

Die Zahl der Erwerbslosen stieg im Januar auf 4,455 Millionen. Im Jahresvergleich und saisonbereinigt ist die Quote aber gesunken. Nun streiten Opposition und SPD über die Bewertung.

Nürnberg - Die Arbeitslosenzahl ist von den Parteien in Bonn unterschiedlich bewertet worden. Die CDU machte die "ziellose Politik der Regierung Schröder" für den Anstieg mitverantwortlich, wie der Vizechef der Unionsfraktion, Hermann Kues (CDU), erklärte. Die SPD dagegen sah eine "verhalten positive Grundtendenz".

Nach Angaben der Bundesanstalt für Arbeit in Nürnberg kletterte die Arbeitslosenquote binnen Monatsfrist von 10,9 auf 11,5 Prozent. Im Vergleich zum Vorjahresmonat allerdings wurden 368.000 Erwerbslose weniger gezählt. Der frühe Wintereinbruch bereits im November habe die Zahlen nicht mehr so stark wie sonst üblich ansteigen lassen, sagte der Präsident der Bundesanstalt, Bernhard Jagoda.

Die Zahl der Erwerbslosen im Westen kletterte um 140.400 auf 3.025.200 (Quote: 9,7 Prozent). In Ostdeutschland waren 1.430.000 Arbeitslose (Quote: 18,9 Prozent) registriert - 117.400 mehr als vor einem Monat. Dem Arbeitsmarkt habe der eher milde Januar geholfen. Allerdings gebe es erste Hinweise, daß "die momentane Schwächephase der Konjunktur" auf den Jobmarkt durchschlage, meinte Jagoda. Gut angelaufen ist nach seinen Angaben das Bonner Sofortprogramm "100.000 Jobs für Junge". Ende Januar hätten bereits 5800 Jugendliche Arbeit gefunden.

Unter rechnerischer Ausschaltung jahreszeitlicher Faktoren nahm die Arbeitslosigkeit allerdings nicht nur im Jahres-, sondern auch im Monatsvergleich ab: um 59.000. Fachleute nannten den saisonbereinigten Rückgang eine positive Überraschung.

Der CDU-Politiker Kues dagegen kritisierte, seit dem Regierungswechsel zu Rot-Grün sei die Arbeitslosenzahl um fast eine halbe Million gestiegen. Der Deutsche Gewerkschaftsbund sah Anlaß zur Hoffnung, nannte die Zahl aber "nach wie vor bedrückend hoch". Im November (letzter veröffentlichter Monat) waren knapp 34,3 Millionen Menschen beschäftigt - 173.000 mehr als ein Jahr zuvor.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.