Die Thilenius-Kolumne Perlen unter Schmuddelkindern

Wenn der Aktienmarkt eine Branche abstraft, werden auch die guten Unternehmen nach unten gedrückt. So fielen die Titel aller Telekommunikations-Unternehmen drastisch. Anleger sollten sich jetzt die interessanten Werte heraussuchen.

Zu den bewährtesten Regeln bei der Geldanlage gehört, dass man sich auf keinen Fall in seine Aktien verlieben soll, um mit ihnen durch dick und dünn zu gehen. Man soll sich in seine Frau verlieben, mit ihr durch dick und dünn gehen, aber zu allen Investments eine sachliche Beziehung pflegen, die eine schnelle Trennung nicht ausschließt.

Als fast ebenso bewährte Regel gilt, sich die Sektoren des Marktes anzusehen, die besonders verhasst sind. Dies sind in der Regel die Branchen, in denen Anleger in der jüngeren Vergangenheit viel Geld verloren haben.

Denn oft finden sich unter dem Schutt der eingestürzten Visionen und Illusionen durchaus lebendige Unternehmen, die nach einer Bereinigung der Märkte oder dem Ende einer zyklischen Branchenschwäche recht gute Aussichten haben. Daher lohnt sich ein regelmäßiger Blick auf die ungeliebten Sektoren.

Unter den derzeit vielen ungeliebten Sektoren ist die Telekommunikation besonders unbeliebt. Das macht sie für vorausschauende Investoren besonders interessant. Denn die Aktien dieser Branche sind derzeit so bewertet, als ob nie wieder ein Cent in Telefon-Ausrüstung investiert würde.

Hass alleine reicht aber nicht. Es muss zusätzlich einen Grund geben, über Käufe nachzudenken. Denn was heute verhasst ist, kann noch viele Jahre verhasst bleiben. Sobald der Hass jedoch nachlässt und sich vielleicht Anzeichen von Sympathie einstellen, lohnt sich ein zweiter Blick.

Dieser Blick fällt auf Nokia . Die fundamentalen Probleme der Branche und des Unternehmens sind hinreichend bekannt. Nicht so bekannt ist aber, dass der Aktienkurs seit kurzem nach der Vorstellung des Prototyps des ersten UMTS-Handys ganz geräuschlos zu steigen begonnen hat.

Vor wenigen Tagen wurde nun die 200-Tage Linie durchbrochen, was von vielen Charttechnikern als Kaufsignal interpretiert wird. Richtig in Schwung kommen wird die Aktie frühestens, wenn das UMTS-System in Betrieb genommen wird und Nokia viele teure UMTS-Handys verkaufen kann. Das dürfte wohl nicht vor dem Sommer 2003 sein. Und dann stellt sich die große Frage, wie lange UMTS die Herzen der Investoren höher schlagen lassen wird.

Der Aufbau einer kleinen Position, verbunden mit dem unumstößlichen Vorsatz, dieselbe auf dem Höhepunkt des zu erwartenden UMTS-Rummels schnell wieder abzustoßen, dürfte lohnend sein. Denn auch die Bewertung von Nokia heute ist recht bescheiden geworden und liegt mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) für 2003 von 21 eher in der Nähe der Bewertung einer der besseren Auto-Aktien als einem High-Tech Unternehmen. Womit der Markt auf längere Sicht sicher mal wieder recht hat, denn auch bei Handys wird der Markt einmal gesättigt sein.

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