Siemens Neue Wachstumsträger

Das Unternehmen will die Informations- und Kommunikationstechnologie ausbauen. Neue Produkte und die Vernetzung von Endgeräten sollen einen Platz in der Weltspitze sichern.

Berlin - Um auf die vordersten Ränge vorzudringen seien auch große Zukäufe und Partnerschaften denkbar. Das sagte der zuständige Konzernvorstand Volker Jung am Dienstag in Berlin. "Wir müssen nicht alles selbst entwickeln." Der Umsatz von Siemens auf diesem Gebiet soll im Geschäftsjahr 1998/99 (30. September) von 47 auf bis zu 54 Milliarden Mark steigen.

Das im Oktober neu gebündelte Arbeitsgebiet "Information und Kommunikation" ist mit 110.000 Beschäftigten größtes Gebiet des Konzerns. Als Marschrichtung dafür gab Jung aus: Siemens müsse auf allen Feldern führende Positionen halten oder erreichen. Sonst werde man sich dort durch Partner stärken. "Oder wir verkaufen das Geschäft." Im März will Siemens einen Zukauf und eine Neugründung in den USA verkünden.

Siemens sei als Komplettanbieter bestens gerüstet, hieß es im Redetext des kurzfristig erkrankten Siemens-Vorstandschefs Heinrich von Pierer. "Kein anderes Unternehmen hat soviel Know-how in nahezu allen Infrastrukturbereichen und Branchen." In fünf Jahren werde der I&K-Markt weltweit bei einem jährlichen Plus von etwa zehn Prozent ein Volumen von mehr als 2740 Milliarden Mark haben. Siemens wolle schneller als der Markt wachsen, sagte Jung.

Besonders für den Bereich Dienstleistungen im I&K-Geschäft erwäge der Konzern ein Zusammengehen mit einem starken Partner. Aber auch ein Börsengang sei nicht auszuschließen. Siemens werde in jedem Fall die Mehrheit behalten. Bei den zwei anderen I&K-Bereichen Netze und Produkte setze Siemens auf Teil-Kooperationen. Alle drei Bereiche zusammen erwirtschaften rund 40 Prozent des Konzernumsatzes, der 1998/99 auf 130 Milliarden Mark klettern soll.

Ausschau nach Partnern hält Siemens auch bei Computern und Mobilfunk, um Entwicklungskosten zu sparen. Bei Handys will das Unternehmen künftig die gesamte Palette von günstigen bis zu teuren High-Tech-Geräten anbieten. "Unser Fehler war, uns auf das obere Ende des Angebots zu konzentrieren", sagte Jung. Siemens wolle von der Nummer fünf der Welt auf Platz drei aufsteigen. Den ersten Platz hält Nokia.

Auf der Cebit (18.-24. März) in Hannover präsentiert der Konzern erstmals ein besonders kleines Handy der unteren Preisklasse. Das "C 25" soll rund 400 Mark kosten und in D- und E-Mobilfunknetzen funktionieren. Auf der Messe wird Siemens zudem eine Fernsteuerung von Haushaltsgeräten per Telefon vorstellen. Mit einer neuen Computer-Familie will Siemens bei Profi-Anwendern zulegen und seinen Anteil an Europas PC-Markt bis 2001 auf neun Prozent fast verdoppeln.

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