Deutsche Bank Klassenkeile

Goldman Sachs, CSFB, Merrill Lynch, Lehman Brothers und Morgan Stanley sind sich ausnahmsweise einig: Sie alle korrigieren nach den Deutsche-Bank-Zahlen ihre Einschätzung.

Frankfurt am Main - Die Aktie der Deutschen Bank  ist einen Tag nach Bekanntgabe der Quartalszahlen unter Druck geraten. Am Freitag hagelte es Herabstufungen verschiedener Analystenhäuser: Die Aktie, die am Vortag noch trotz der schwachen Zahlen leicht zugelegt hatte, war diesem Druck nicht mehr gewachsen und gab deutlich nach.

Auf Grund höherer Rückstellungen senkten die Analysten von Credit Suisse First Boston (CSFB) die Gewinnschätzungen für die Deutsche Bank für 2003 und 2004 um jeweils 20 Prozent. Die Qualität der Vermögenswerte der Bank verschlechtere sich rapide, heißt es zur Begründung. Die Einstufung lautet unverändert "Neutral".

Auch die Analysten von Goldman Sachs senkten für die Deutsche Bank die Gewinnschätzungen. Für 2002 erwarten sie nunmehr einen Verlust je Aktie in Höhe von 0,08 Euro. Für 2003 reduzieren sie die Schätzung auf 1,35 von 5,05 Êuro Gewinn je Aktie. Die Analysten senkten gleichzeitig die Vorsteuerschätzung für 2002 und 2003 um 45 beziehungsweise um 18 Prozent.

Merrill Lynch weiter skeptisch

Darüber hinaus ändern die Analysten die Berechung des Gewinns je Aktie, der nunmehr unter anderem um Sondereffekte und Goodwill bereinigt werde. Die Quartalszahlen hätten nur wenige Lichtblicke enthalten, heißt es weiter.

Sowohl die Kosten als auch die Rückstellungen lagen nach Angaben der Analysten höher als erwartet. Angesichts der aktuellen Bewertung und der Risiken hinsichtlich der künftigen Erträge bleibt das Rating auf "Marketperformer".

Auch die Analysten von Merrill Lynch haben das Kursziel für die Deutsche Bank von 53 auf 48 Euro reduziert. Daneben seien auch die Prognosen für den Gewinn je Aktie 2002 und 2003 um 20 Prozent auf 1,29 Euro bzw 3,17 Euro nach unten korrigiert worden. Die Analysten begründen diese Änderungen mit den hohen Rückstellungen und einem enttäuschenden Ergebnis im dritten Quartal 2002. Die Anlageempfehlung lautet weiter "Neutral".

Lehman Brothers senkte das Kursziel für Deutsche Bank auf 47 Euro. Noch vor einer Woche hatten die Experten das Kursziel bei 61 Euro angegeben.

Morgan Stanley stufte die Titel der Deutsche Bank sogar auf "Untergewichten" herunter. Die Entwicklung lasse die künftige Tendenz ungewiss erscheinen, heißt es. Morgan Stanley senkte daher die Prognose für den Gewinn je Aktie 2003 um 28 Prozent auf 3,24 Euro.

Private Banking mit Verlust

Auch die Frankfurter Privatbank Metzler hat die Aktien der Deutschen Bank auf "Halten" zurückgestuft. In einer am Freitag veröffentlichten Studie hieß es, dass der Vorsteuergewinn für das dritte Quartal unter den Erwartungen gelegen habe. Außerdem hätten die Bereiche "Corporate Banking & Securities" und "Private Banking" in den vergangenen drei Monate bis Ende September Verluste eingefahren.

Außerdem hat das Bankhaus Metzler die Gewinnerwartungen für die kommenden drei Jahre nach unten geschraubt. Für 2003 rechnen die Analysten nur noch mit einem Gewinn je Aktie von 2,50 Euro nach zuletzt 5,91 Euro. Und 2004 nur noch mit 4,52 Euro, nachdem die Experten zuvor ein Plus von 6,40 Euro erwartet haben.

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