Deutsche Bank Rückschlag für den Primus

Eine hohe Risikovorsorge und ein flaues Handelsgeschäft stürzen Deutschlands größtes Geldhaus deutlich in die Verlustzone. Konzernchef Ackermann spricht von "außerordentlich schwierigen Zeiten".

Frankfurt am Main - Die Deutsche Bank  hat für das dritte Quartal 2002 einen Verlust vor Steuern in Höhe von 181 Millionen Euro ausgewiesen. Dies ist ein Rückgang von 544 Millionen Euro im Vergleich zum entsprechenden Vorjahresquartal. In den ersten neun Monaten hat die Deutsche Bank einen Gewinn vor Steuern in Höhe von 3,3 Milliarden Euro erzielt, eine Steigerung von 14 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Das Handelsergebnis brach im dritten Quartal deutlich auf 904 Millionen Euro ein, verglichen mit 1,993 Milliarden Euro im Vorjahresquartal.

Der Verlust im dritten Quartal geht vor allem auf die stark gestiegene Risikovorsorge und Kreditrückstellungen in Höhe von insgesamt 790 Millionen Euro zurück. Konzernchef Josef Ackermann sprach von "außerordentlich schwierigen Zeiten für den Bankensektor weltweit". Das Ergebnis für das dritte Quartal sei "eindeutig nicht zufrieden stellend." Man habe jedoch Fortschritte auf dem Weg gemacht, die Ertragskraft der Bank zu steigern und Risiken zu reduzieren.

Der bereinigte Gewinn vor Steuern betrug 74 Millionen Euro im dritten Quartal nach 782 Millionen im dritten Quartal 2001. Die Erträge im dritten Quartal fielen von 6,5 Milliarden Euro im Vorjahreszeitraum auf 5,5 Milliarden Euro. Die bereinigten Erträge sanken um elf Prozent gegenüber dem dritten Quartal des Vorjahres. Das Handelsergebnis betrug 904 Millionen Euro.

Der Ausblick für das laufende Geschäftsjahr 2002 blieb verhalten. Die Bank sei zwei Monate vor Ende des Jahres zuversichtlich, ein zufrieden stellendes Ergebnis für das Gesamtjahr vorlegen zu können, schrieb Vorstandssprecher Josef Ackermann in einem am Donnerstag veröffentlichten Aktionärsbrief. Er sei überzeugt, dass sein Haus mit der Strategie, sich von nicht rentablen Geschäftsfeldern zu trennen, die gegenwärtigen Turbulenzen gut überstehen werde.

Kosten sinken weiter

Marktbeobachter betonten, dass die Deutschen Bank ohne die hohen Erlöse aus der Ausgliederung der Hypothekentochter Eurohypo noch wesentlich tiefer in die roten Zahlen gerutscht wäre. Konrad Becker von Merck, Finck & Co schließt nach den Quartalszahlen für das Gesamtjahr nach einer "ersten vorsichtigen Einschätzung" einen Verlust nicht mehr aus - sofern man die Erlöse aus Beteiligungsverkäufern herausrechnet. Inklusive der Erlöse werde die Bank aber selbstverständlich schwarze Zahlen schreiben.

Wegen der weltweiten Insolvenzwelle erhöhte die Deutsche Bank im dritten Quartal die Risikovorsorge im Kreditgeschäft kräftig auf 753 Millionen Euro, nach 135 Millionen ein Jahr zuvor. Der Zinsüberschuss ging leicht auf 1,711 Milliarden Euro zurück.

Der Provisionsüberschuss stieg hingegen auf 2,512 Milliarden Euro, verglichen mit 2,481 Milliarden ein Jahr zuvor. Der leichte Anstieg sei vor allem auf den Kauf des Asset-Managements-Geschäft vom US-Vermögensverwalter Scudder im zweiten Quartal 2002 zurückzuführen.

Die Kosten konnte die Deutsche Bank im dritten Quartal kräftig drücken. Die operativen Kosten sanken von 6,043 Milliarden auf 4,892 Milliarden Euro. Aber auch hier verfehlte das Institut leicht die Erwartungen der Analysten, die hier mit einem Wert zwischen 4,769 Milliarden und 4,860 Milliarden Euro gerechnet hatten.

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