Telekom Preis für die "letzte Meile"

Die Regulierungsbehörde gesteht dem Ex-Monopolisten mit 25,40 Mark zwar mehr zu als bisher, aber weniger als für die Überlassung der Leitungen zu den Endkunden beantragt. Das könnte eine höhere Grundgebühr für analoge Anschlüsse zur Folge haben.

Bonn - Die Deutsche Telekom kann von ihren Konkurrenten künftig 25,40 Mark monatlich verlangen, wenn sie ihnen Leitungen zu den Endkunden überläßt. Diese Entscheidung in dem langdauernden Streit um den Preis der sogenannten Teilnehmeranschlußleitung hat am Montag in Bonn die Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post bekanntgegeben. Sie gilt bis 31. März 2001.

Der Preis für die Teilnehmeranschlußleitung gilt als entscheidend dafür, in welchem Umfang Wettbewerb künftig auch in den Telefonortsnetzen möglich wird. Während die Verbraucher bei Ferngesprächen bereits seit dem Fall des letzten Telefonmonopols am 1. Januar 1998 die Auswahl zwischen zahlreichen Gesellschaften haben und sich über ständig sinkende Gesprächspreise freuen konnten, beherrscht die Telekom mit fast 46 Millionen Anschlüssen noch immer weitestgehend unangefochten die Ortsnetze. Erst vereinzelt gibt es Konkurrenz.

Bisher war der Mietpreis für die Ortsnetzleitung vorläufig auf 20,65 Mark festgesetzt; die Telekom hatte in ihrem Antrag 37,30 Mark verlangt. Wie der Präsident der Regulierungsbehörde, Klaus-Dieter Scheurle, erklärte, gelten die neuen Gebühren ab sofort. Nach seinen Angaben haben bisher 34 Unternehmen Verträge mit der Telekom abgeschlossen. Sie hätten nun für die nächsten zwei Jahre Planungssicherheit.

Der Vizepräsident der Regulierungsbehörde, Arne Börnsen, begründete die Entscheidung für niedrigere Entgelte als die Telekom ursprünglich verlangt hatte, man habe selbst Kostenberechnungen vorgenommen. Dabei sei man zu anderen Ergebnissen gelangt als die Telekom. Dies wiederum sei auch auf unterschiedliche Berechnungsmethoden zurückzuführen. Einzelheiten dazu könne er nicht bekanntgeben, um nicht Betriebsgeheimnisse zu verletzen.

Während die Telekom unter anderem Gesamtbeträge für verschiedene Tätigkeiten auflistete, habe die Behörde Kostenentgelte für einzelne Maßnahmen ermittelt. Die Telekom habe in ihre Gebührenberechnung auch die Kosten für Investitionen der Kupferdoppelader, Kapitalkosten sowie Abschreibungsmethoden einbezogen.

Telekom-Sprecher Ulrich Lissek bedauerte, daß die Regulierungsbehörde der Argumentation der Telekom nicht gefolgt sei und einen niedrigeren Preis als den vom Unternehmen errechneten genehmigt habe. Die Telekom werde damit leben müssen und die Entscheidung akzeptieren. Es werde keine Klage geben, sagte Lissek. Das Unternehmen müsse aber jetzt versuchen, die Situation auf der Kostenseite zu verbessern. Lissek schloß allerdings einen zusätzlichen Stellenabbau aus. Es bleibe bei dem mit den Gewerkschaften vereinbarten Ziel, die Belegschaft bis zum Jahr 2000 auf 170.000 abzubauen. Ende 1998 hatte die Telekom noch fast 180.000 Beschäftigte. Der Deutsche Verband für Post und Telekommunikation äußerte die Erwartung, daß nun die Telekom ihre Grundgebühr für den analogen Telefonanschluß drastisch heraufsetzen wird. Nach den Bestimmungen des Telekommunikationsgesetzes dürfe die Telekom von ihren Konkurrenten keine höheren Preise verlangen als sie für ihre eigenen Kunden ansetze. Damit sei die Telekom verpflichtet, die Grundgebühr für analoge Telefonanschlüsse auf mindestens 28 Mark plus Mehrwertsteuer (von bisher 21,39 Mark) anzuheben, meinte der Verband. Telekom-Sprecher Lissek sagte, das Unternehmen beteilige sich nicht an derartigen Spekulationen.

Der Verband kündigte gegen die Entscheidung der Regulierungsbehörde Beschwerde bei der EU-Kommission an. Die Festsetzung sei "offensichtlich unter massivstem politischen Druck" gefallen. Die Telekom habe "auf der gesamten Linie gesiegt". Nennenswerter Wettbewerb werde mit dieser Preisfestsetzung für rund 80 Prozent der Inlandstelefongespräche nicht möglich werden, vermutete der Verband.

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