Metallgesellschaft Auf den Spuren von ABB

Der Traditionskonzern wird nur fünf Jahre nach dem Beinahe-Konkurs zum dritten Mal radikal umgekrempelt. Die Frankfurter trennen sich von den Bereichen Bautechnik und Metallhandel.

Frankfurt/Main - Die Frankfurter Metallgesellschaft will mit dem Bochumer Anlagenspezialisten Gea den zweitgrößten Anlagenbauer in Europa hinter dem ABB-Konzern schmieden. Neben der Übernahme von Gea soll der Metallhandel als bisherige Säule verkauft werden. Diese Pläne kündigte der MG-Vorstandsvorsitzende Kajo Neukirchen am Montag in Frankfurt an.

Zunächst wird die Aktienmehrheit des Bochumer Spezialisten für Prozeß- und Wärmetechnik, Gea AG mit einem 98er Konzernumsatz von 4,75 Milliarden Mark und 16.500 Beschäftigten, erworben. Mit der MG-Tochter Lurgi sollen beide Anlagenbauer mit knapp zehn Milliarden Mark Umsatz hinter der schwedisch-schweizerischen ABB Platz zwei in Europa einnehmen.

Gleichzeitig werden zwei von bislang vier Säulen gefällt. So wird der gesamte Metallhandel mit dem wertvollen Sitz an der Londoner Metallbörse und einem Umsatz von 8,8 Milliarden Mark an ausländische Interessenten verkauft. Auch für den Teilkonzern Gebäudesysteme mit 700 Millionen Mark Umsatz wird ein Käufer gesucht. Schließlich soll der Spezialkeramik-Hersteller Ceramtec zu 49 Prozent an der Börse plaziert werden.

Neukirchen begründet den erneuten Totalumbau mit dem zunehmenden Einfluß der Aktienmärkte. Anleger beurteilten das Metallgeschäft als riskant und bewerteten die MG-Aktie deshalb mit deutlichem Abschlag.

Innerhalb eines Jahres soll die neue MG stehen. Bereits am Tag der Verkündung schnellte die MG-Aktie gegen den Börsentrend um 13 Prozent in die Höhe. Neukirchen erwartet zunächst einen rechnerischen Umsatzverlust von 7,1 Milliarden Mark, der bis zur Jahrtausendwende ausgeglichen sein soll. Selbst der krisenbelastete Name Metallgesellschaft steht zur Disposition.

Bei der neuen MG soll die Rendite auf das eingesetzte Kapital auf 14 von derzeit 12,7 Prozent steigen. Für den Gewinn vom Umsatz wird eine Zielmarke von fünf (1,8) Prozent angepeilt. Im Geschäftsjahr 1997/98 (bis Ende September) steigerte der MG-Konzern den Umsatz um 18 Prozent auf 21,4 Milliarden Mark. Die Zahl der Beschäftigten wurde um 1200 auf 26.200 erhöht. Das Ergebnis vor Steuern stieg um 16 Prozent auf 381 Millionen Mark. Der Jahresüberschuß erreichte bei einem Plus von 28 Prozent mit 303 Millionen den höchsten Wert in der Unternehmensgeschichte. Der Hauptversammlung wird eine Verdoppelung der Dividende von 20 auf 40 Pfennig vorgeschlagen. Im neuen Geschäftsjahr soll der Gewinn vor Steuern nochmals um zehn Prozent zulegen.

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