ABB Gewinnwarnung schockt die Märkte

Das Kostensenkungsprogramm greift nicht, die Gewinne brechen ein. Der Aktienkurs halbiert sich.

Zürich - Die Aktien des schwedisch-schweizerischen Elektro- und Technologiekonzerns ABB  sind nach der Ertragswarnung vom Vortag im frühen Dienstaghandel auf Tauchstation gegangen. In der ersten halben Stunde nach Börseneröffnung büßten die Aktien über 50 Prozent ein.

ABB hatte am Montag nach Börsenschluss in Zürich überraschend bekannt gegeben, dass wegen der anhaltende Marktschwäche und den "niedriger als erwartet ausgefallenen Einsparungen" aus dem Kostensenkungsprogramm die Ertragsziele für 2002 nach unten revidiert werden müssen. Eine genaue Größe nannte der Konzern nicht. ABB wird aber am Donnerstag seine Zahlen für die ersten neun Monate vorlegen.

Gleichzeitig bestätigte der Konzern das Ziel, die Nettoverschuldung bis zum Jahresende um 1,5 Milliarden Dollar zu senken. Die mittelfristigen Ziele sollen überprüft werden.

Zudem erwägt ABB einen Konkursantrag für ihre amerikanische Tochter Combustion Engineering Inc. (CE) wegen der anhängigen Asbestklagen. Derzeit würden verschiedene Optionen zur Regelung der Asbest-Verbindlichkeiten einschließlich der Neuorganisation von CE gemäß Chapter 11 des US-amerikanischen Konkursrechtes erwogen.

Gewinnwarnung kam überraschend

"Die Gewinnwarnung war eine Überraschung", sagte ein Analyst. ABB-Chef Jürgen Dormann habe noch Anfang September die Prognosen für das Gesamtjahr bestätigt. Zudem wollte der Konzernlenker die Schuldensituation des Unternehmens verbessern. "Das wird nun schwierig", sagte der Experte.

Zum drohenden Konkursverfahren der US-Tochter sagte ein weiterer Aktienstratege: "Das ist eine gute Lösung für CE. Nur sie kommt zu spät". Dennoch könne ABB auf diese Weise etwas an Glaubwürdigkeit zurück gewinnen.

Die Investmentbanken reagierten prompt auf die Gewinnwarnung: West LB Panmure stufte die Aktien von ABB von "Underperformer" auf "Verkaufen" herunter. CSFB nahm die Bewertung von "Outperformer" auf "Neutral" zurück und kürzte das Kursziel von zehn auf sechs Franken.

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