Schering Ärger in Übersee

Das Hormon-Ersatzpräparat Angeliq blitzt bei der FDA ab. Die Berliner müssen auf dem wichtigen US-Markt einen neuen Anlauf nehmen: Die Aktie gerät stark unter Druck.

Berlin - Der Berliner Pharmakonzern Schering wird zunächst keine US-Zulassung für sein Hormon-Ersatzpräparat Angeliq erhalten. Einen entsprechenden "Letter of Non-Approval" habe die US-Tochter Berlex Laboratories erhalten, teilte das Unternehmen am Freitag mit. Die Aktie von Schering  gab zeitweise mehr als zehn Prozent nach.

Bereits vor vor einer Woche hatte die FDA die Zulassung für das Hormonpflaster Climara verweigert. Angeliq sollte im nächsten Jahr auf den Markt kommen und nach etwa drei Jahren jährliche Umsätze von gut 250 Millionen Euro erzielen.

Schering hofft auf Markteinführung im nächsten Jahr

Ein Schering-Sprecher sagte, man gebe das Produkt aber nicht auf und werde Mitte November ein Gespräch mit der FDA führen. Nach einem solchen Schreiben verlangt die FDA normalerweise weitere Informationen zu dem betroffenen Produkt.

Für Europa hoffe Schering weiter auf eine Zulassung und eine Markteinführung im nächsten Jahr. Auf die Umsatz- und Gewinnerwartungen in diesem Jahr werde die verweigerte Zulassung keine Auswirkungen haben.

Den Bereich Hormon-Ersatztherapie wollte Schering in den nächsten Jahren in den USA massiv ausbauen. Das umsatzstärkste Produkt sollte dabei Angeliq werden. Die Hormon-Ersatztherapie für Frauen in den Wechseljahren ist allerdings in den USA umstritten, nachdem Studien einen Zusammenhang mit Brustkrebs und Herzinfarkten herstellten.

Anteil des US-Geschäfts soll deutlich steigen

Dies betraf im Sommer zunächst vor allem den US-Konzern Wyeth. Schering hatte stets betont, dass sein Produkte aber andere, moderne Wirkstoffkombinationen enthielten und daher nicht in Zusammenhang mit den Studien gebracht werden könnten.

Es herrsche große Unsicherheit über die Zukunft des US-Geschäfts von Schering, sagten Marktteilnehmer in Frankfurt. Im Jahr 2005 soll fast ein Drittel der Schering-Erlöse aus dem US-Geschäft kommen. Neben der Hormonersatztherapie setzt Schering dabei vor allem auf neue Verhütungsmittel, die die Erwartungen nach eigenen Angaben aber bislang übertroffen haben.

"Keine Parallelen zu Wyeth"

Im Sommer war der US-Konzern Wyeth in die Schlagzeilen geraten, nachdem eine Studie mit dessen HRT-Mittel Prempro wegen Nebenwirkungen frühzeitig abgebrochen wurde. Schering hat in der Vergangenheit betont, zu Unrecht in die Diskussion über Nebenwirkungen von Hormon-Ersatztherapien hineingezogen worden zu sein.

Die Hormonprodukte von Schering seien nicht von den Nebenwirkungen eines Mittels des US-Konkurrenten Wyeth Pharmaceuticals Inc. betroffen, sagte Schering-Forschungs-Vorstand Günter Stock.

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