Thiel Microlog geschluckt - Aktie zieht an

Analysten sehen die Zwangsehe mit Microlog skeptisch. Die Aktie jedoch zieht stark an.

Luxemburg – Die Luxemburger Thiel Logistik  hat mehr als zwei Drittel des Grundkapitals an der Frankfurter Microlog Logistics  erworben. Außerdem wurde den Microlog-Aktionären ein Kaufangebot für die restlichen Anteile unterbreitet, teilte Thiel am späten Donnerstag-Abend mit.

Am Neuen Markt verteuerten sich Microlog-Aktien bis Freitag-Mittag um rund ein Viertel auf 16,05 Euro. Aktien von Thiel kletterten um mehr als 22 Prozent auf 4,65 Euro. Thiel hat nach eigenen Angaben für Freitag noch eine Pressekonferenz angesetzt.

Wie Thiel weiter mitteilte, wurden von der Beteiligungsgesellschaft Delton insgesamt 4,1 Millionen Microlog-Aktien übernommen. Das entspreche 67,8 Prozent am Grundkapital.

Grundkapital erhöhte sich auf 107,18 Millionen Euro

Der Erwerb sei überwiegend im Rahmen einer Kapitalerhöhung erfolgt. Dadurch erhöhe sich das Grundkapital von Thiel um rund 15,55 Millionen Euro auf 107,18 Millionen Euro. Delton ist eine Beteiligungsgesellschaft um den Alleinaktionär Stefan Quandt, Sohn der deutschen Unternehmerfamilie Quandt.

Die 3,95 Millionen Microlog-Aktien der Delton AG wurden durch die Ausgabe 12,45 Millionen neuer Thiel-Aktien in die Thiel Logistik AG eingebracht. Das sich hieraus ergebende Bewertungsverhältnis der beiden Gesellschaften entspreche etwa den Größenrelationen von Umsatz und Ebit, urteilen Analysten von SES Research am Freitag.

"Der Deal stellt sich daher für die freien Aktionäre der Thiel Logistik AG und der Microlog Logistics AG fair dar", heißt es in der Analyse. Auch das freiwillige Übernahmeangebot sei vertretbar. Der angebotene Preis von 16,50 Euro je Aktie erscheine gerade noch angemessen und der Abfluss von Liquidität in Höhe von maximal 38 Millionen Euro sei für Thiel verkraftbar.

Dennoch sehen die Experten die von der Delton AG eingeleitete "Zwangsehe" als kritisch. "Beide Gesellschaften befinden sich auf Grund der anhaltend schwachen Konjunktur in einer schwierigen operativen Lage, die bei Thiel durch Managementfehler (bei der schweizerischen BTL) noch verschärft wurde", schreiben die Analysten.

Analyst: Kann Thiel eine weitere Integration verkraften?

Die jeweilige Geschäftsführung sollte sich aus Sicht der Analysten eigentlich auf das operative Geschäft und die weitere Integration ihrer noch immer sehr frei agierenden Tochtergesellschaften konzentrieren. Zusätzliche Integrationsaufgaben mit entsprechenden Reibungsverlusten und der Bündelung wichtiger operativer Managementkapazitäten passten da nicht ins Bild.

Das Management müsse erst beweisen, dass es dazu in der Lage ist, eine weitere Integration zu verkraften. Daher stufen die Analysten die Aktien von Thiel trotz der optisch günstigen Bewertung weiterhin mit Marketperformer ein.

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