Die Trinkaus-Kolumne Telekom – Bridge over troubled water?

Der Telekommunikations-Sektor bietet im Verhältnis zu anderen Bereichen relativ sichere und mittlerweile auch sichtbare Gewinne, eine hohe Kapitaldisziplin und zumindest im Mobilfunksektor moderates Umsatzwachstum.
Von Klaus Lüpertz

In einem turbulenten Markt konnte der Telekommunikations-Sektor eine relative Outperformance verzeichnen, nachdem noch im zweiten Quartal eine deutliche Schwäche zu beobachten war. Mobilfunk-Konzerne büßten im Verhältnis zu Festnetz-Unternehmen weniger ein.

Am besten hielten sich KPN , gefolgt von Telefonica Moviles und Orange. Auf der anderen Seite bildeten Portugal Telecom, British Telecom und Cable & Wireless  die Schlusslichter im Sektor.

Entscheidend für die Entwicklung im vierten Quartal werden die Schlüsselindikatoren der Mobilfunkunternehmen sein. Der Markt wartet auf eine Stabilisierung der monatlichen Umsätze pro Kunde und auf Fortschritte bei den Umsätzen aus Datendiensten sowie steigende Verkaufszahlen der neuen MMS-Handys im Weihnachtsgeschäft.

Festnetzbereich wird weiter unter Druck bleiben

Obwohl wieder steigende Mobilfunkumsätze pro Kunde mittelfristig wichtig für den Sektor sind, wird die Entwicklung der neuen Datendienste und damit verbunden der Absatz der neuen Handys kurzfristig psychologisch wichtiger sein, da so das Sentiment erheblich verbessert werden könnte.

Der Festnetzbereich wird im Kerngeschäft weiter unter Druck bleiben. Die Nachfrage ist weiterhin schwach und wird wahrscheinlich auch im vierten Quartal durch die weitere Kannibalisierung der Festnetztelefonate durch Handyanrufe schwach bleiben. Neue Dienste wie DSL werden noch nicht in der Lage sein, diesen negativen Trend aufzufangen.

Speziell der stark konjunkturabhängige Sektor der Alternative Carrier bleibt bis 2003 stark unter Druck. Entsprechend werden die Investitionen weiter zurückgefahren; so wird der Free Cash Flow gesteigert. Zusätzlich werden weitere kleine Bereiche veräußert, die keine Kernbeteiligungen darstellen.

Strategische Fragen

Mitte November steht die Strategie-Präsentation der Deutschen Telekom (Kurswerte anzeigen) an. Spekulationen über die Zukunft von Voicestream bewegen schon jetzt den Kurs. Denkbar sind verschiedene Möglichkeiten, angefangen von einem Verkauf über einen Zusammenschluss bis hin zum Verbleib innerhalb der Gruppe.

Der positive Effekt der beiden erstgenannten Lösungen wäre die Dekonsolidierung der Schulden von Voicestream und die wegfallenden Investitionsausgaben. Allerdings würde sich das Wachstumsprofil der Gruppe deutlich verschlechtern, was auf mittlere Sicht zu Problemen führen könnte.

Übernahmeschlacht um Cegetel droht

Die einzige größere Übernahmeschlacht könnte sich um das französische Mobilfunk-Unternehmen Cegetel ergeben. British Telecom und SBC Communications  (USA) wollen ihre Anteile verkaufen und sowohl Vodafone  als auch Vivendi Universal  wollen ihren Anteil erhöhen.

Der Telekommunikationssektor bietet im Verhältnis zu anderen Sektoren relativ sichere und mittlerweile auch sichtbare Gewinne, eine hohe Kapitaldisziplin und zumindest im Mobilfunksektor moderates Umsatzwachstum. Dies sollte die Eigenkapitalrenditen verbessern, so dass mittelfristig wieder Renditen über den Kapitalkosten verdient werden können.

Warten auf die Konsolidierung der Märkte

Speziell im Mobilfunksektor sollten geringere Investitionsausgaben gepaart mit einem moderaten Wettbewerbsumfeld zu höheren Margen führen. Unterstützend wirken geringere Handy-Subventionen, da aufgrund der existierenden Datenbasis Kunden spezifischer angesprochen werden können.

Ein weiteres Thema in der Vergangenheit war die oft geforderte Konsolidierung der Märkte (speziell in Deutschland). Aufgrund der weiterhin strikten Handhabung des Mobilfunkspektrums durch den nicht geänderten regulatorischen Rahmen ist dieses Thema allerdings zunächst nicht mehr auf der Agenda.

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