Microsoft Ballmers Weckruf

Der weltgrößte Softwarekonzern hat mit seinen Quartalszahlen die kühnsten Erwartungen übertroffen. Analysten zeigen sich erstaunt, Anleger sind begeistert. Auch Sun und Ebay ziehen mit. Die US-Börsen, ohnehin im Vorwärtsgang, erhalten einen weiteren Schub.

Orlando – Der Softwareanbieter Microsoft  hat im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2002/2003 (Juli bis September) einen steilen Gewinnanstieg auf 2,73 Milliarden Dollar verbucht. Das entspricht 50 Cents pro Aktie - mehr als doppelt so viel wie die 23 Cents im gleichen Vorjahreszeitraum.

Der Quartalsumsatz bei Microsoft stieg auf 7,75 Milliarden Dollar. Damit meldete Microsoft-Chef Steve Ballmer eine Steigerung um 26 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Erwartet worden war ein Wachstum von 17 Prozent. Microsoft hatte zum Quartalsende 40,5 Milliarden Dollar liquide Mittel.

Das Unternehmen hat mit diesen Zahlen die Erwartungen bei weitem übertroffen: Analysten hatten mit einem Gewinn von 43 Cent je Aktie gerechnet. Die positive Entwicklung sei dem starken Interesse an dem neuen Software-Lizenzprogramm sowie der starker Nachfrage nach dem Windows XP-Betriebssystem und der Anwendungssoftware zu verdanken.

Eigene Erwartungen getoppt

Die Aktien des Software- Branchenführers legten nach US-Börsenschluss rasant zu und zogen auch den Nasdaq-Future nach oben. Auch das Internet-Auktionshaus Ebay lag mit seinen Zahlen über den Erwartungen, während Sun Microsystems einen geringeren Verlust als befürchtet meldete.

"Die Ergebnisse des ersten Quartals waren außerordentlich stark und haben unsere Erwartungen übertroffen", betonte Finanzchef John Connors. Er verwies darauf, dass viele Kunden langfristige Lizenzabkommen für Microsoft-Produkte abgeschlossen haben.

Microsoft stellt auf dieses umstrittene Lizenzsystem um, bei dem die Kunden regelmäßige Lizenzgebühren für die jeweils neueste Version eines Softwareprodukts zahlen, statt selbst zu entscheiden, ob sie eine neue Version kaufen wollen oder nicht.

Connors verwies darauf, dass die die Stärke der Lizenzen zu einem "soliden Wachstum" bei Windows XP, Office XP und NET Enterprise Servers geführt habe. Microsoft hat seit der Einführung von Windows XP vor knapp einem Jahr mehr als 67 Millionen Kopien des Betriebssystems über die Computerhersteller auf ihren neuen Computern oder im Einzelhandel verkauft.

Connors bezeichnete die globalen wirtschaftlichen Aussichten als weiterhin unsicher. Der Online-Dienst MSN zeigte ein Umsatzwachstum von 23 Prozent. Das Anzeigengeschäft und die höhere Kundenzahlen trugen zu dem Anstieg bei.

33 Milliarden Dollar Umsatz erwartet

Microsoft setzte in der Berichtszeit in Nord- und Südamerika 2,7 (Vorjahresvergleichszeit: 2,3) Milliarden Dollar um und in der Region Europa/Naher Osten und Afrika 1,5 (1,1) Milliarden Dollar. Der asiatisch-pazifische Raum steuerte 860 (692) Millionen Dollar zum Umsatz bei und die Computerhersteller 2,7 (zwei) Milliarden Dollar.

Microsoft erwartet für das laufende Quartal einen Umsatz von 8,5 Milliarden Dollar bis 8,6 Milliarden Dollar. Der Gewinn pro Aktie soll 45 bis 46 Cent erreichen. Das Unternehmen geht für das laufende Geschäftsjahr von einem Umsatz von 32,2 Milliarden Dollar bis 32,6 Milliarden Dollar und von einen Gewinn pro Aktie in Höhe von 1,89 Dollar bis 1,95 Dollar aus.

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