SAP Keine Spur von Schwäche

Nach der Kursrallye gewinnt die Aktie auch am Freitag. Dass Vorstandssprecher Hasso Plattner die Umsatzprognose zurückzieht, stört die Märkte nicht.

Walldorf - Der Softwarekonzern SAP  hat wegen der Unsicherheit über die Konjunktur seine Umsatzprognose für 2002 zurückgezogen, mit einem überraschend hohen Gewinn im dritten Quartal aber einen Kurssprung seiner Aktie ausgelöst.

SAP werde für den Rest des Jahres keine Umsatzprognose mehr geben, weil das politische und wirtschaftliche Umfeld zurzeit nicht einschätzbar seien, begründete Co-Vorstandschef Henning Kagermann am Donnerstag den von Analysten erwarteten Schritt.

Zuletzt hatte SAP noch ein Wachstum von fünf bis zehn Prozent gesehen. Auch wenn der Umsatz in diesem Jahr nur auf der Stelle treten sollte, werde die operative Rendite wegen der ersten Erfolge eines Sparprogramms auf mindestens 21 von 20 Prozent steigen, bekräftigte Europas größte Softwarehersteller in Walldorf seine Gewinnerwartungen. SAP hatte seine Umsatzprognose bereits einmal reduziert und zuletzt noch ein Umsatzwachstum von fünf bis zehn Prozent erwartet.

Gewinn übertrifft die Erwartungen deutlich

Der deutlich über den Erwartungen von Analysten liegende Gewinn im dritten Quartal ließ den Kurs der SAP-Aktie am Donnerstag um mehr als 25 Prozent ansteigen. Auch am Freitag trotze der Titel einem schwachen Umfeld und zählte zu den wenigen Gewinnern im Dax. Zuletzt war der Aktienkurs bis auf 40 Euro abgestürzt. Im März war die Aktie noch für fast 180 Euro gehandelt worden.

Im dritten Quartal übertraf der Softwarehersteller mit einem um die Kosten für Firmenkäufe und Aktienoptionen bereinigten operativen Ergebnis von 316 Millionen Euro die vor Jahresfrist erzielten 201 Millionen Euro deutlich. Von Reuters befragte Analysten hatten im Schnitt mit 253 Millionen gerechnet. Die als Erfolgsmaßstab verwendete operative Marge habe sich damit binnen Jahresfrist auf 19 von 12 Prozent verbessert, teilte SAP weiter mit.

Nach Steuern verfünffachte SAP den Gewinn auf 202 (37) Millionen Euro. Der Konzernumsatz lag mit 1,7 Milliarden Euro leicht über den 1,65 Milliarden aus dem Vorjahr.

"SAP ist eindeutiger Marktführer und wird dies (...) auch bleiben, erklärte Co-Vorstandschef Henning Kagermann. Er gehe davon aus, dass SAP weitere Marktanteile gewinnen werde. "Auch in einem unruhigen ökonomischen Umfeld tätigen Unternehmen beträchtliche und langfristige Investitionen in Software." Wie alle Wettbewerber hatte SAP zuletzt unter der weltweiten Investitionszurückhaltung der Unternehmen gelitten. Nun erklärte der Konzern, die Auftragspipeline sei "weiterhin sehr gut".

Weiterer Rückkauf eigener Aktien

Analysten fühlen sich von Umsatzskepsis bestätigt

In den ersten neun Monaten lag der Umsatz des SAP-Konzerns mit 5,14 Milliarden Euro nur um zwei Prozent höher als ein Jahr zuvor, die bereinigte Umsatzrendite blieb bei 17 Prozent.

Experten zeigten sich von der Aussetzung der Prognose wenig überrascht. "Wir sind richtiggehend erleichtert", sagte Fondsmanager Daniel Kerbach von Activest in München. Niemand habe noch erwartet, dass SAP  das Umsatzziel erreichen werde. "Es ist ein gutes, gut aufgestelltes Unternehmen", ergänzte Kerbach.

Mitarbeiterzahl gesunken

Analyst Daud Khan von Merrill Lynch lobte die Zahlen. Fraglich sei nur, ob SAP weiter in gleichem Maße Kosten senken könne wie bisher, ohne weitere Stellen abzubauen.

Im Juli hatte SAP kräftige Kostensenkungen angekündigt und einen Einstellungsstopp verhängt. Seither sei die Zahl der Mitarbeiter von zuvor mehr als 29.000 um 445 gesunken, sagte ein Sprecher. "Das Unternehmen hat die Maßnahmen zum Einsparen von Kosten und zur Steigerung der Effizienz erfolgreich umgesetzt", erklärte der Softwarekonzern. Allein im dritten Quartal sanken die Kosten durch Einsparungen in Vertrieb und Marketing sowie in der Verwaltung um acht Prozent.

SAP kauft im großen Stil Aktien zurück

Positiv bewerteten Analysten vor allem den nahezu stabilen Umsatz mit Softwarelizenzen. Die dauerhafteste Einnahmequelle des Konzerns brachte Umsätze von 435 (447) Millionen Euro. Die Lizenzumsätze hätten sich in allen drei Regionen der Welt stark entwickelt, sagte Analyst Gunnar Plagge von WestLB Panmure, der die Aktie zwei Bewertungsstufen höher auf "Outperform" stufte und das Kursziel auf 70 von 38 Euro anhob.

Auch auf dem größten Softwaremarkt der Welt, in den USA, stabilisierte sich nach SAP-Angaben das Geschäft. Hinkten die Umsätze dort bis Juni noch 20 Prozent hinter dem Vorjahreswert her, setzte SAP im dritten Quartal mit 464 Millionen Euro nur ein Prozent weniger um als im Vorjahr. In Deutschland stieg der Umsatz dank eines Großauftrags von DaimlerChrysler um elf Prozent auf 413 Millionen Euro.

In den nächsten Monaten will SAP für 100 Millionen Euro weitere eigene Aktien zurückkaufen. Im bisherigen Jahresverlauf hatte das Unternehmen bereits für 250 Millionen Euro Anteile zurückgekauft. Damit sollen Optionsprogramme für die Mitarbeiter bedient und das Vertrauen in SAP untermauert werden, hieß es.

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