MLP Fakten, Fakten, Fakten - und immer an den Richter denken

Der Konzern erwirkt eine weitere Einstweilige Verfügung - diesmal gegen das Magazin "Focus".

Düsseldorf/Heidelberg - Der Aufsichtsratsvorsitzende des Heidelberger Finanzdienstleister MLP , Manfred Lautenschläger, hat beim Landgericht München eine einstweilige Verfügung gegen die Zeitschrift "Focus" erwirkt. Wie MLP am Freitag mitteilte, sei es dem Magazin ab sofort verboten, zu behaupten, dass Lautenschläger seine Tochter über MLP beim Kölner Gerling-Konzern mit einer Milliarde Euro versichert habe.

Darüber hinaus habe das Gericht "Focus" untersagt zu behaupten, Lautenschläger habe den Versicherungsantrag in diesem Jahr zurückgezogen und MLP die von Gerling gezahlte Provision zurückerstattet.

Außerdem darf "Focus" auch folgenden Aussage nicht mehr verbreiten: "Pikant: Jochen Aymans, Chef bei Gerling Leben, war lange Jahre MLP Vorstand. Die Ermittler vermuten nun, allen Beteiligten sei klar gewesen, dass die Milliardenpolice niemals wirklich erstellt werden sollte."

"Focus" will sich nun gegen die Einstweilige Verfügung wehren. Unternehmenssprecher Uwe Barfknecht kündigte am Freitag an, das Magazin werde bei Gericht Widerspruch einlegen. "Wir werden beweisen, dass sich Focus im Rahmen einer zulässigen Berichterstattung bewegt," sagte er. "Wir haben gute Quellen und haben journalistisch sauber gearbeitet."

Auch Prior hatte sich eine Verfügung eingehandelt

Bereits am Mittwoch hatte Lautenschläger beim Landgericht Hamburg eine einstweilige Verfügung gegen die "Prior Börse" erwirkt. Demnach sei es dem Börsendienst verboten, weiterhin zu verbreiten, "Manfred Lautenschläger habe eine auf seinen Namen lautende Lebensversicherungspolice in Höhe von angeblich einer Milliarde Euro abgeschlossen."

Außerdem habe das Gericht der Prior-Börse verboten, weiterhin zu behaupten, "inzwischen sei die Police wieder storniert worden, weil sie ohnehin nur zum Schein abgeschlossen worden sei". Der MLP-Sprecher betonte, dass der Finanzdienstleister mit "allen rechtlichen Mitteln" gegen "derart abstruse Gerüchte" vorgehen werde.

MLP kommt seit Monaten wegen Gerüchten und Berichten über Bilanzfälschung, Insidergeschäften und Kursmanipulationen nicht aus den Schlagzeilen. Nach Ermittlungen der Staatsanwaltschaft und Vorwürfen des Anlegermagazins "Börse Online" war der Kurs der MLP-Aktie abgestürzt. Die Staatsanwaltschaft hatte nach einer anonymen Anzeige die MLP-Firmenräume zwei Mal durchsucht.

Wechseln komplette Geschäftsstellen von MLP zu AWD?

Der Börseninformationsdienst "Czerwensky intern" will unterdessen erfahren haben, dass die AWD Holding AG  "kein Auge auf das gesamte Unternehmen" MLP AG geworfen habe. Wie AWD-Vorstandschef Carsten Maschmeyer dem Informationsdienst sagte, gibt es seiner persönlichen Einschätzung nach gegenwärtig überhaupt keine ernsthaften Interessenten.

Allerdings verzeichne die AWD seit Monaten einen "signifikanten Anstieg" an wechselwilligen MLP-Beratern. Wie "Czerwensky" unter Berufung auf Kreise berichtet, sind komplette Geschäftsstellen bei der Konkurrenz vorstellig geworden.

Ähnliches hatte vor einigen Tagen bereits die "Wirtschaftswoche" gemeldet. MLP selbst bestritt dies und bezeichnete diese Darstellung als "stark irreführend".

Die MLP-Aktie, der nach einem drastischen Kursverfall der Ausschluss aus dem Börsenindex Dax droht, legte am Freitag um 4,4 Prozent auf 7,31 Euro zu.

Manfred Lautenschläger im Porträt