Die Thilenius-Kolumne Nichts überstürzen

Eine militärische Auseinandersetzung mit dem Irak wird immer wahrscheinlicher. Der Investor sollte sich nun an die Erfahrungen des letzten Kuwaitkriegs erinnern und mit dem Einstieg Zeit lassen.

Die wesentlichen Aktienmärkte der Welt haben in den letzten Wochen ihre Tiefstände vom vergangenen Juli bzw. ebenfalls die Tiefstände vom vergangenen September wieder erreicht. Hier stellt sich die große Frage, ob dieser Test die Stände bestätigen wird, oder ob die Indizes neue Tiefstände markieren werden.

Deutschland ist in diesem Fall ein Sonderfall, da unmittelbar nach der Bundestagswahl die Diskussion um die Steuererhöhung den Aktienkursen außerordentlich schädlich war. Die Deutschen Kurse sind weit unter ihren früheren Tiefständen. Das hat aber wesentlich politische und psychologische Gründe.

Für die anderen Märkte gilt: Wegen der Unsicherheit im Hinblick auf einen militärischen Einsatz im Irak müssen wir uns auf eine längere Periode der Schwankungen einstellen. Der Investor sollte also an die Erfahrungen des letzten Kuwaitkrieges denken. Die waren folgendermaßen: Nach dem Einmarsch von Saddam Husseins Truppen in Kuwait im August 1990 gingen die Aktien bis in den Oktober hinein zurück.

Als ab Oktober der Aufmarsch der Alliierten in der Wüste begann, bewegten sich die Kurse seitwärts bis Anfang Januar 1991. Als der Befreiungskrieg für Kuwait dann los ging, gab es Anfang Januar 1991 einen steilen Anstieg.

Ähnlich könnte es dann auch hier wieder sein. Das bedeutet, dass keine Eile zum Einstieg gegeben ist, auch wenn wir noch niedrigere Kurse sehen. Hier diktiert die Politik das Geschehen.

Deswegen sollte der langfristige Investor das Pulver trocken halten und erst dann einsteigen, wenn die politische Situation übersichtlicher geworden ist. Wer engagiert ist, sollte allerdings auf dem jetzt niedrigeren Niveau nicht mehr verkaufen.