EZB Erholung der Weltkonjunktur verzögert

Das Wirtschaftswachstum bleibt hinter den Erwartungen zurück. 2003 wird ein Schub erwartet.

Frankfurt am Main - Nahostkrise und Börsenflaute werden nach Einschätzung von Ökonomen die Erholung der anhaltend schwachen Weltkonjunktur verzögern. Für den Euroraum rechnen Europäische Zentralbank und Wirtschaftsforscher erst im kommenden Jahr mit einem Aufschwung.

EZB-Präsident Wim Duisenberg sagte am Donnerstag in Frankfurt am Main nach einer Sitzung des EZB-Rates, nach vorliegenden Daten könnte das Wirtschaftswachstum im dritten Quartal mit etwa 0,4 Prozent ähnlich ausfallen wie in den ersten beiden Vierteljahren.

Die Erwartungen auf einen deutlichen Aufschwung in diesem Jahr würden sich damit nicht erfüllen. Zugleich wies Duisenberg auf gestiegene Risiken für die Konjunktur durch die Börsenturbulenzen sowie die Nahostkrise und dem damit verbunden Anstieg der Rohölpreise hin. Im kommenden Jahr sollte die Wirtschaft im Euro-Raum aber wieder deutlich wachsen.

Deutliches Wachstum erst im nächsten Jahr

Europäische Wirtschaftsforscher prognostizierten für das kommende Jahr ein Wirtschaftswachstum von 2,2 Prozent nach 0,9 Prozent in diesem Jahr. Die Aufwärtsentwicklung werde sich allerdings erst im späteren Laufe des Jahres 2003 auf den Arbeitsmarkt auswirken, sagte das Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) voraus, das im Auftrag der Europäischen Kommission gemeinsam mit sieben ausländischen Forschungsinstituten eine aktualisierte Prognose für die wirtschaftliche Entwicklung im Euroraum erstellt hatte.

Die Weltwirtschaft wird nach einer Prognose internationaler Experten im Auftrag der Vereinten Nationen in diesem Jahr lediglich um 1,7 Prozent und 2003 um 2,9 Prozent wachsen. Ein deutlicher Aufschwung komme nicht wie erhofft in diesem Herbst, sondern erst Mitte kommenden Jahres.

Im April hatten die Ökonomen für dieses Jahr bei der Konjunktur noch ein Plus von 1,8 Prozent und von 3,2 Prozent für 2003 vorhergesagt. Einer der größten Risikofaktoren für die Erholung sei die Kriegsgefahr in Nahost. Die wachsenden Spannungen in der Region haben seit Januar den Ölpreis um rund 50 Prozent ansteigen lassen.

Weitere belastende Faktoren sind nach Meinung der Wissenschaftler die Börsenturbulenzen, der Vertrauensverlust der Anleger durch Bilanzskandale und die seit Monaten schwelende Wirtschaftskrise in Argentinien. Hinzu komme noch eine ungewöhnliche Häufung von Naturkatastrophen, wie etwa die Flutkatastrophe in Mitteleuropa.

EZB lässt Leitzinsen erwartungsgemäß unverändert

Auf ihrer Sitzung hat die EZB die Leitzinsen in der Euro-Zone wie erwartet nicht verändert. Analysten rechnen jedoch wegen der wachsenden Konjunkturrisiken mit einer Zinssenkung in den kommenden Monaten. Der für die Refinanzierung der Geschäftsbanken maßgebliche Schlüsselzins beträgt weiterhin 3,25 Prozent.

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