Finanztitel Banken-Lobby warnt vor Panik

Die Branche wiegelt ab - von einer Systemkrise könne keine Rede sein. Rolf-E. Breuer warnt vor Panik, auch Commerzbank-Chef Müller gibt sich zuversichtlich. An der Börse treiben kurzfristig orientierte Anleger die Papiere mit Käufen nach oben. Auch die verprügelten Versicherungstitel ziehen an.

Frankfurt – Die Bemühungen von Aufsichts- und Verbandsseite gegen Gerüchte einer Bankenkrise in Deutschland zeigen offenbar erste Wirkungen. Nach vermehrten Äußerungen von Bankenverbandspräsident und Deutsche-Bank-Aufsichtsratschef Rolf-E. Breuer auch am Donnerstag zogen Bankentitel am Donnerstag Vormittag zunächst stark an.

Breuer hatte zuvor in mehreren TV-Interviews bekräftigt, dass von einer Systemkrise im Bankgewerbe keine Rede sein könne. Er mahnte einen vorsichtigen Umgang mit dem Wort Krise an.

Es gebe vielleicht eine Strukturkrise bei den deutschen Instituten. Eine Liquiditätskrise der Banken oder eine Unterversorgung der Unternehmen mit Krediten durch die Institute sehe er allerdings nicht.

Angesichts der schlechten Stimmung für Bankenwerte warnte Breuer vor einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung. Die Situation der deutschen Banken sei auch nicht mit jener der in Japan zu Beginn der 90er Jahre zu vergleichen, ergänzte Breuer.

Deutsche Banken nicht mit japanischen vergleichbar

Das Trennbankensystem in Japan habe erheblich zur der Krise der Institute beigetragen. Deutsche Banken hingegen seien breiter aufgestellt und könnten deshalb flexibler auf Krisen reagieren. Breuer räumte allerdings ein, dass die führenden Banken in Deutschland zu spät und mit zu geringer Energie versuchten hätten, dem Kostenproblem Herr zu werden.

Positiv wirkte sich auch ein Interview von Commerzbank-Vorstandssprecher Klaus-Peter Müller mit dem "Handelsblatt" (Donnerstagausgabe) aus. Darin betonte Müller, das dritte Quartal seines Hauses sei trotz der Marktlage "nicht schlecht" verlaufen.

Bereits am Mittwoch hatte die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BAFin) um Vertrauen für den gesamten deutschen Bankensektor geworben. Außerdem hatte das BAFin mitgeteilt, Voruntersuchungen wegen möglicher Falschmeldungen zu führen, die den Kurs der Commerzbank  unter Druck gesetzt haben könnten.

Commerzbank-Chef macht gut Wetter

Kurzfristig orientierte Anleger treiben Kurse hoch

Commerzbank-Titel stiegen am Donnerstag-Vormittag in der Spitze um mehr als elf Prozent, reduzierten aber ihre Zugewinne gegen Mittag auf 5,60 Prozent bei 6,14 Euro. Die Erholung der Aktie hatte bereits am Mittwochnachmittag eingesetzt, nachdem die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf Unternehmenskreise berichtet hatte, dass das Geldhaus im dritten Quartal keine umfangreichen Abschreibungen auf sein Beteiligungsvermögen vornehmen wolle. Damit wurden Befürchtungen von Investoren gedämpft, dass die Bank wegen des drastischen Kursrückgangs am Aktienmarkt deutlich abschreiben müsse.

HypoVereinsbank  verteuerten sich zunächst um rund fünf Prozent, gaben dann aber ebenfalls ab. Zuletzt betrug das Plus noch 1,70 Prozent auf rund zwölf Euro. Die Kursgewinne der Deutsche-Bank-Aktie  reduzierten sich von mehr als vier auf rund zwei Prozent.

Commerzbank-Chef macht gut Wetter

"Die Müller-Aussagen waren der Auslöser der Kaufaktivitäten bei der Commerzbank und den Banken im allgemeinen", sagte Aktienhändler Christian Schmidt von der Helaba in Frankfurt. Das dritte Quartal dürfte für die Commerzbank "nicht schlecht" ausgefallen sein, hatte Commerzbank-Chef Klaus-Peter Müller zuvor dem "Handelsblatt" (Donnerstagausgabe) gesagt.

Händler Schmidt ergänzte, der dramatische Kursverfall der Banken in den vergangenen Tagen auf Grund von Ängsten der Anleger um eine Krise des Sektors sei überzogen gewesen. Andere Händler sagten, es setze sich immer mehr die Meinung durch, dass den Aussagen der Experten, die am Vortag die Stabilität der Branche beteuert hatten, Glauben geschenkt werden könne.

Analysten-Meinungen gehen auseinander

Bankentitel waren zu Beginn der Woche verstärkt unter Druck geraten, nachdem unter anderem die Rating-Agentur Standard & Poor's (S&P) sich negativ zu den Papieren der Commerzbank und der HypoVereinsbank geäußert hatte. Zudem kursierten erneut Gerüchte, dass die Deutsche Bank die Gewinnerwartungen der Analysten für 2002 möglicherweise verfehlen werde. Rezessionsszenarien hätten sich dabei stark in den Vordergrund gedrängt, sagte Banken-Analyst Olaf Kayser von der Landesbank Rheinland Pfalz im Gespräch mit manager-magazin.de.

Folge man dieser Perspektive, so Kayser, werde eine erneute Pleitewelle in der Wirtschaft die Kreditportfolios der Institute belasten. Die Banken müssten ihre Risikovorsorge weiter aufstocken. Die Baisse am Aktienmarkt ließe die Reserven der Institute wie Butter schmelzen und beschleunige die Kursschwäche. Kurz über lang dürften aus dieser düsteren Sicht alle Banken in die Verlustzone abgleiten.

Auch Versicherer legen deutlich zu

Kayser oder auch Georg Kanders von der West LB hielten die Abschläge bei Bankentiteln im Gespräch mit mm-online allerdings für übertrieben und haben vereinzelt Titel sogar zum Kauf empfohlen. Konrad Becker, Banken-Analyst bei Merck Finck, hatte hingegen erst vor wenigen Tagen die Aktie der HypoVereinsbank als auch der Deutsche Bank herabgestuft.

Mit dem anziehenden Gesamtmarkt drehten auch die Aktien der Versicherer am Donnerstag in die Gewinnzone. Die Kurse des Allfinanzkonzerns Allianz  und des Versicherers Münchener Rück  zogen dabei um jeweils mehr als fünf Prozent an. Selbst Befürchtungen, wonach Allianz/Dresdner Bank nach Herabstufungen von Standard & Poor's sowie Moody's ins Minus rutschen dürften, bewahrheiteten sich nicht.

Warum die Zukunft für Deutschlands Banken düster ist

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