Autowerte Totalschaden auf dem Parkett

Trotz guter Geschäftszahlen hat eine Ausverkaufswelle die Automobiltitel überollt. Analysten halten die Abschläge für übertrieben und raten zum Kauf.

Frankfurt am Main – Das Kursmassaker im Dax hat die Automobilbranche schwer erwischt. Nachdem sich BMW , DaimlerChrysler  und Volkswagen  in den vergangenen Tagen vergleichsweise gut behaupten konnten, führten die Titel am Mittwoch die Verliererliste im Dax an. Am Donnerstag ging es nach einem schwachen Auftakt zunächst leicht aufwärts.

"Nachdem die Amerikaner ihre eigenen Autowerte in den letzten Tagen abgeschlachtet haben, verkaufen sie jetzt auch die ausländischen Hersteller", hieß es am Markt. Besonders VW stünden ganz oben auf der Liste. Dort belaste die Meldung, dass der Konzern im Januar eine Produktionspause plant, die eine Woche länger als üblich dauert. "Damit werden vom Markt offensichtlich die Wachstumsprognosen für das kommende Jahr in Frage gestellt", sagte ein Börsianer. Mit einem Minus von zeitweise mehr als elf Prozent verbuchten die Aktien von Volkswagen den größten prozentualen Tagesverlust seit Oktober 1998.

Sal. Oppenheim glaubt an fallenden Absatz bei VW

Patrick Juchemich, Analyst bei Sal. Oppenheim, schenkte der Beteuerung des Konzerns, dass die verlängerte Werkspause nicht konjunkturbedingt sei, wenig Glauben: "Ich schätze, dass dies mit der Nachfrage zusammenhängt. Die Absatzzahlen werden um 6,5 bis 7,0 Prozent fallen, daran muss die Produktion angepasst werden."

Optimistischer äußerte sich Autoanalyst Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler im Gespräch mit mm.de. Er hält die massiven Kursabschläge für übertrieben und erklärt diese mit der derzeit schlechten Stimmung an der Börse.

Aus kleinen Branchenproblemen würden "riesige Krisenszenarien" gemacht, die guten Nachrichten hingegen ignoriert. "Das sind ganz krasse Baisse-Zeichen", sagte der Wertpapierexperte.

So seien die heute vom Verband der Automobilindustrie (VDA) vorgelegten Absatzzahlen für den Monat September gut gewesen. Auch die Auftragslage befand Pieper für positiv. Von den drei großen deutschen Herstellern habe lediglich Volkswagen auf Grund von Produktzyklen ein etwas schwächeres Jahr. Mitte 2003 sollte die Produktion jedoch wieder anziehen.

Auf dem derzeitigen Kursniveau rät Pieper zum Kauf der Aktien von BMW , DaimlerChrysler  und Volkswagen . Sicherheitsbewussten Anlegern empfiehlt der Analyst die Aktie von BMW, die weniger zyklisch sei als die der Konkurrenten.

Kurzfristig biete DaimlerChrysler  allerdings die besten Chancen. Bei den anstehenden Quartalszahlen traut Pieper dem deutsch-amerikanischen Automobilkonzern sogar eine "positive Überraschung" zu.

mm-Test: Warum die deutschen Autobauer Spitze sind

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