Konjunktur "Hang zur Panik"

Experten sehen die USA auf Wachstumskurs. Zinserhöhungen seien wahrscheinlich.

Frankfurt am Main - Der US-Wirtschaft geht es besser als weithin angenommen, schätzt Gail Fosler, Chefvolkswirtin und Vize-Präsidentin des "Conference Board", dem weltgrößten privaten Instituts für Wirtschaftsforschung. Sie sagte der Tageszeitung "Die Welt", die Stimmung der Konsumenten in den USA sei besser als "man es erwarten würde", wenn auch nicht so gut, wie das Conference Board es wünsche. "Wir haben aber ein Level erreicht, das bei einem bescheidenen Wachstum der Wirtschaft üblich ist", erklärte Fosler.

Die USA werden im kommenden Jahr sogar wieder die Zinsen erhöhen, ist sie sich sicher. "Vor dem Hintergrund, wo die Zinsen jetzt stehen und wohin sich die Konjunktur meiner Ansicht nach bewegen wird, ist eine Erhöhung der Zinsen ein zu erwartender Schritt. Die Zentralbank dürfte die Federal Funds Rate im kommenden Jahr auf 2,25 bis 2,5 Prozent erhöhen", prognostiziert Fosler.

Für Europa erwartet sie dagegen noch weiter sinkende Zinsen. Für den Euro sei die deutsche Wirtschaft ein großes Problem, so Fosler. Ihr Institut sehe in naher Zukunft auch keine Besserung der Wirtschaftslage in Deutschland.

US-Wachstum von vier Prozent im nächsten Jahr

Ihr Institut rechne dagegen mit vier Prozent Wachstum in den USA im kommenden Jahr. In diesem Jahr werde es ein Anstieg von 2,5 Prozent geben. Das Wachstum im vierten Quartal dieses Jahres werde 3,5 Prozent über dem Vergleichswert des Vorjahres liegen. "In den nächsten sechs Monaten wird es also eine eher typische Phase der konjunkturellen Erholung geben", sagte Fosler.

Die derzeitige Lage bezeichnet die Volkswirtin als ein "Hang zur Panik in Zeiten einer traditionellen Mania". Ein Problem für die Wirtschaft sei vielmehr den Liquiditätsengpass "hier und in Übersee". Anleger, die Geld an der Börse verloren haben, schichten ihr Vermögen auf Sparbücher oder in festverzinsliche Papiere um. Die allgemeine Situation sehe aber so aus, dass die Wirtschaft wächst, und die Arbeitslosenquote historisch gesehen immer noch gering sei.

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