Commerzbank "Das ist eine Frechheit"

Eine Sieben-Zeilen-Mail von Merrill Lynch bringt die Commerzbank in Rage. Die Anfrage über mögliche Liquiditätsprobleme und Verluste im Derivategeschäft sei nichts anderes als "Konkurrenzschelte" und könnte rechtliche Folgen haben. Die US-Banker wundern sich über die "leicht hysterische Gerüchteküche".

Frankfurt / London - Die Commerzbank hat einen Zeitungsbericht über angebliche Probleme im Geschäft mit Kreditderivaten dementiert. Zugleich drohte Deutschlands drittgrößte Geschäftsbank rechtliche Schritte gegen die US-Großbank Merrill Lynch an. Merrill Lynch hatte in einer E-Mail an die Ratingagentur Standard & Poor's um eine Stellungnahme zu angeblich großen Verlusten der Commerzbank im Geschäft mit Kreditderivaten gebeten. Die Aktie der Commerzbank  gab am Montag kräftig nach.

"Merrill benutzt wissentlich falsche Zahlen, das ist eine Frechheit. Wir behalten uns rechtliche Schritte vor", sagte Commerzbank-Sprecher Ulrich Ramm am Wochenende gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. Die Bank habe derzeit weder Liquiditätsprobleme noch Schwierigkeiten im Derivatehandel, bekräftigte Ramm und verwies auf entsprechende Aussagen von Vorstandssprecher Klaus-Peter Müller.

Sieben-Zeilen-Mail an Standard & Poor´s

Die "Financial Times" hatte berichtet, dass Merrill Lynch eine siebenzeilige E-Mail an Standard & Poor's gesendet habe. In diesem Schreiben habe Merrill Lynch die Ratingagentur darum gebeten, Marktgerüchte über angebliche finanzielle Schwierigkeiten und hohe Verluste im Handelsgeschäft mit Kreditderivaten bei der Commerzbank zu kommentieren.

Der für das Investmentbanking zuständige Commerzbank-Vorstand Mehmet Dalman sagte indes dem Blattt: "Ich sehe keinen Grund, weshalb wir Pleite gehen sollten." Das Geschäft mit Kreditderivaten sei profitabel und die Bank habe keine Pläne, neues Kapital an den Finanzmärkten aufzunehmen, sagte Dalman weiter.

Die Veröffentlichung der E-Mail wirkt sich nach Einschätzung von Händlern nicht nur auf die Titel der Commerzbank, sondern auf alle Bankwerte aus. "Das zerstört das Vertrauen in die gesamte Branche", so ein Händler. Ob die Indiskretion gezielt oder unbeabsichtigt war, spiele keine Rolle mehr. Böswillige Gerüchte ließen sich im derzeitigen Klima leicht verbreiten, fügte ein anderer Händler hinzu. Ihnen sei schwer zu begegnen. Eine mögliche Reaktion sei eine vorzeitige Veröffentlichung von Quartalszahlen durch die Commerzbank. Das Institut hält aber bislang daran fest, die Zahlen wie geplant am 12. November vorzulegen.

Merrill: "Stehen vor einem Rätsel"

"Stehen vor einem Rätsel"

Das Eigenkapital der Bank sei keineswegs angegriffen, die Kernkapitalquote betrage derzeit 6,5 Prozent, fügte Ramm hinzu. "Wir können uns die Vielzahl der Spekulationen nicht erklären und sehen darin in erster Linie Konkurrenzschelte. Aus unserem Geschäftsverlauf sind sie nicht abzuleiten", sagte Ramm.

Bei Merrill Lynch geht man in die Defensive. "Diese Situation ist im Rahmen eines regelmäßigen täglichen Kontakts zwischen unserer internen Kreditabteilung und einer der Ratingagenturen entstanden", teilte Paul Roy, Co-President Globale Märkte und Investmentbanking bei Merrill Lynch, in einer schriftlichen Stellungnahme mit. Es habe sich dabei um eine E-Mail gehandelt, die von einer Person an eine andere Person gerichtet gewesen sei. "Wir stehen vor einem Rätsel, wie diese Mail an die Öffentlichkeit gelangen und warum sie so unverhältnismäßig verstanden werden konnte."

"Gerüchteküche leicht hysterischer Natur"

"Gerüchteküche leicht hysterischer Natur"

"Wichtig aber ist, dass wir keine Änderungen in unserer Kreditpolitik mit der Commerzbank vorgenommen haben. Diese Überreaktion ist Teil einer leicht hysterischen Natur der jüngst im Markt brodelnden Gerüchteküche", fügte Roy hinzu. Die Ratingagentur Fitch senkte unterdessen den Ausblick für die Commerzbank am Freitagabend auf "negativ". Die Revision reflektiere den wachsenden Druck auf die Geschäftsentwicklung der Commerzbank angesichts der anhaltenden Konjunkturschwäche, teilte die Agentur zur Begründung mit.

Die Commerzbank-Aktie schloss am Freitag 5,3 Prozent tiefer auf 6,06 Euro. Im Handelsverlauf hatte sie sogar ein neues Jahrestief bei 5,84 Euro markiert. Einen Höchststand hatte das Papier Mitte März mit 21,29 Euro gesehen.

Commerzbank: "Haben Probleme im Griff"

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