Banken-Aktien Die Märkte spielen Rezession

Die Titel deutscher Geldhäuser haben am Freitag Rekordtiefstände markiert. Analysten halten die Abschläge für übertrieben. Manche raten gar zum Einstieg. Doch schwebt über allem die Angst vor einer Rezession. Sie könnte die Banken noch tiefer reißen.

Hamburg/Frankfurt – Banken-Papiere im Dax haben am Freitag zwischenzeitlich acht und mehr Prozent verloren und stürzten auf den tiefsten Stand seit vielen Jahren. HypoVereinsbank  und Commerzbank  etwa notierten so niedrig wie seit mehr als zehn Jahren nicht mehr.

Mit verantwortlich für den Kurssturz machten Händler unter anderem Gerüchte um eine mögliche Gewinnwarnung der Deutschen Bank  nach einer Abstufung durch die Investmentbank Goldman Sachs am Vortag. Die Titel des Branchenprimus markierten am Freitag den niedrigsten Stand seit Oktober 1998.

Rezessionsszenarien hätten im Markt die Oberhand gewonnen, sagt Banken-Analyst Olaf Kayser von der Landesbank Rheinland Pfalz im Gespräch mit manager-magazin.de. Folge man dieser Perspektive, werden erneute Pleiten die Kreditportfolios der Institute belasten. Die Banken müssten ihre Risikovorsorge weiter aufstocken. Das Wertpapiergeschäft als Ertragsquelle liege ohnehin am Boden. Die Baisse am Aktienmarkt ließe die Reserven der Institute wie Butter schmelzen und beschleunige die Kursschwäche. Kurz über lang dürften aus dieser düsteren Sicht alle Banken in die Verlustzone abgleiten.

HVB-Aktie notiert weit unter Buchwert

Wie andere Analysten auch hält Kayser die Abschläge bei Bankentiteln allerdings für übertrieben. Zwar fokussiere die HypoVereinsbank  ihr Geschäft auf mittelständische Firmenkunden, und damit steige das Risiko eines erhöhten Wertberichtigungsbedarfs auf das Kreditportfolio. "Zieht aber die Konjunktur 2003 wie erwartet an, ist gerade bei dieser Aktie das Erholungspotenzial besonders hoch", sagt der Experte von der Landesbank Rheinland Pfalz.

Angesichts der konjunkturellen Risiken und des sehr viel Energie absorbierenden Konzernumbaus bleibt der Analyst dennoch vorsichtig und stuft das Papier auf "Halten", wie er auch in der Aktie der Commerzbank  nur eine Halteposition sieht.

Georg Kanders von der West LB hält die Aktie der HypoVereinsbank  für stark unterbewertet. "Der Titel notiert derzeit etwa bei einem Drittel seines Buchwertes. Diese Preise gab es in normalen Zeiten nur, wenn ein Unternehmen vor der Pleite stand", sagt der Banken-Analyst manager-magazin.de. Der gegenwärtige Kurs suggeriere, dass das Institut auf "ewige Zeit" lediglich eine Eigenkapitalrendite von drei Prozent erwirtschaften wird. "Und das kann ich mir einfach nicht vorstellen. Da werden Kosten gesenkt, Stellen gestrichen und kräftig umgebaut", sagt Kanders. Der Analyst stuft indes auch die Aktie der Commerzbank  mit "Kaufen" ein.

Konrad Becker, Banken-Analyst bei Merck Finck, hat hingegen am Freitag die Aktie der HypoVereinsbank eben wegen der erhöhten Gefahr möglicher Kreditausfälle von Market- auf Underperformer und die der Deutschen Bank  von Outperformer auf Marketperformer herabgestuft. Der Analyst erwartet, dass beide Institute ihre Risikovorsorge noch weiter erhöhen müssen und dies den Gewinn sowie den Aktienkurs weiter drücken werde.

Wehe wenn die Rezession kommt

Wehe wenn die Rezession kommt

Kanders von der WestLB hingegen will trotz oder gerade wegen des starken Kursverfalls die Titel der Deutsche Bank auf "Outperformer" belassen. Doch angesichts der ungewissen Konjunkturerholung bleibt auch bei ihm ein Rest Skepsis. Falle Deutschland tatsächlich in eine Rezession, was die Deutsche Bank seit Freitag nicht mehr ausschließen will, müsste er alle Bankentitel auf "Verkaufen" setzen. "Dann allerdings stellt sich nicht mehr die Frage, ob der Anleger in Banken-Aktien, sondern ob er überhaupt noch in Aktien soll", sagt Kanders.

Volker Hellmeyer, Chefanalyst der Bremer Landesbank, will indes noch nicht von einer Rezession sprechen. Dabei schätzt er die Wahrscheinlichkeit eines unterproportionalen Wachstums in den kommenden Monaten auf mittlerweile 60 Prozent ein. Gleichwohl sieht auch er die Gefahr weiterer Wertberichtigungen bei den Banken, sollte sich die Zahl der Pleiten und damit die der faulen Kredite erhöhen. Zudem könnten weitere Abstufungen durch Ratingagenturen die Kapitalbeschaffung der Banken belasten.

"Die Strukturkrise ist auch eine Chance"

Die Rating-Agentur Moody's hat erst vor wenigen Tagen den Ausblick für die drei größten deutschen Banken auf "negativ" gesenkt. Und Merrill Lynch warnte vor "japanischen Verhältnissen" bei deutschen Kreditinstituten. Olaf Kayser von der Landesbank Rheinland Pfalz will diese Strukturkrise nicht klein reden. Sie führte seiner Auffassung nach dazu, dass die Profitabilität und Börsenbewertung der deutschen Institute unter die der europäischen Wettbewerber fielen. Doch reagierten hiesige Banken auf die Entwicklung, senkten ihre Kosten mit drastischen Stellenstreichungen und schlankeren Strukturen. Nach Ansicht des Analysten dürfte die Bereitschaft zu Veränderungen in der Branche nie größer gewesen sein als jetzt. Darin liege eben auch die Chance einzelner Banken.

So hält er insbesondere den Kursabschlag bei der Deutschen Bank  für ungerechtfertigt. Zwar wolle Kayser angesichts des angespannten Umfeldes Gerüchte um eine Gewinnwarnung für das dritte Quartal nicht völlig von der Hand weisen. "Am Jahresende wird das Ergebnis aber auf jeden Fall positiv sein."

Die Deutsche Bank habe sich erfolgreich von kostenintensiven Randaktivitäten getrennt und zähle in ihren Kerngeschäftsfeldern Investment Banking und Asset Management zu den ersten Adressen, ist der Analyst überzeugt. Im Zusammenhang mit dem geplanten Aktienrückkaufprogramm könnte dies den Kurs des Papiers beflügeln. Sein Rating lautet daher "Kaufen".

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