Infineon Im Sog der schlechten Branchennachrichten

Zwei Rivalen schocken mit einer Gewinnwarnung und belasten die Aktie der Siemens-Tochter.

Frankfurt am Main - Die Aktien des Halbleiterherstellers Infineon  haben am Freitag deutlich unter Druck gestanden und im Handelsverlauf um bis zu drei Prozent abgegeben. Händler sahen die Kursverluste als Reaktion auf die Gewinnwarnungen des US-Massenspeicher-Herstellers EMC  und des Chipherstellers AMD . Zudem wollen die Münchner nach Angaben der taiwanesischen Börse die bestehende Verbindung zum Speicherchiphersteller Mosel Vitelic beenden.

"Das größte Manko bei Infineon ist, dass es sehr stark im Speichergeschäft engagiert ist", sagte Alexander Schuck, Analyst der Conrad Hinrich Donner Bank. Dass sich der Wert kurzfristig oder mittelfristig erholen könnte, hält Schuck für ausgeschlossen. Nach wie vor bestünden hohe Überkapazitäten am Markt und die Preise für Speicherchips hätten sich wider Erwarten nicht erholt.

Eine Marktbereinigung habe sich auch nach der Übernahme von Hynix  durch Micron Technologies  nicht eingestellt, sagte Schuck. "Momentan ist noch nicht sicher, wer umfallen wird", sagte Schuck. Infineon lasse ein schlüssiges Konzept vermissen, wie das Unternehmen die gegenwärtige Marktphase durchstehen wolle.

Infineon überprüft Partnerschaft mit Mosel Vitelic

Der angekündigte Ausstieg aus dem Joint Venture mit Mosel hat zusätzlich für Unsicherheit am Aktienmarkt geschürt. "Wir überdenken unsere Geschäftsbeziehungen mit Mosel", sagte Infineon-Sprecherin Katja Schlendorf am Freitag. Grund für die Aufkündigung der bestehenden Vereinbarung sei gewesen, dass man das Geschäftsmodell des Joint Ventures ProMOS Technologies nicht weiterführen wolle. Es sei derzeit unklar, wie Infineon mit dem knapp 30-prozentigen ProMOS-Anteil verfahren werde.

Zugleich bekräftigte die Sprecherin, dass Infineon sich klar zum Standort Taiwan bekenne, wo es weitere Partnerschaften gebe. Das Joint Venture mit Mosel Vitelic besteht nach Angaben der Sprecherin seit 1997. Beide Unternehmen arbeiten bei der Entwicklung von Speicherchips zusammen.

AMD schockt Börsen mit Umsatz- und Ergebniswarnung

Auch aus der Chipbranche kamen noch schlechte Nachrichten. So hat der weltweit zweitgrößte Chiphersteller Advanced Micro Devices, AMD  die Börsen am Donnerstag mit einer Umsatz- und Ergebniswarnung für das gerade beendete dritte Quartal schockiert. Der Hauptkonkurrent des Marktführers Intel  rechnet für den Dreimonatsabschnitt mit einem "erheblichen operativen Verlust" und einem Umsatz deutlich unter den Erwartungen. Die AMD-Aktie verlor in New York nach der Ankündigung mehr als ein Viertel.

Gründe für das schlechte Quartalsergebnis seien die schwache Nachfrage auf dem PC-Markt sowie ein verstärkter Abbau von Chip-Lagerbeständen gewesen. Deshalb werde in dem am 29. September beendeten dritten Quartal nur ein Umsatz von 500 Millionen Dollar (508 Millionen Euro) erwartet. Zuvor war AMD davon ausgegangen, den Umsatz des Vorquartals von 600 Millionen Dollar leicht zu übertreffen.

Für das vierte Quartal werde mit einer saisonbedingten Verbesserung der Nachfrage gerechnet, sagte Finanzchef Robert J. Rivet. Das PC-Geschäft zieht traditionell zu Weihnachten an.

Rivale Intel hatte in dem seit Jahren andauernden Konkurrenzkampf zuletzt den Preiskampf bei PC-Chips weiter vorangetrieben. Marktexperten verweisen auch auf den Intel-Marktvorsprung bei Hochleistungschips.

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