Bear Stearns Milliarden mit Millionen verwechselt

Peinlicher Patzer an der Wall Street. Die Investmentbanker haben versehentlich einen milliardenschweren Verkauf gestartet.

New York – Wenn Investmentbanker an der Wall Street mal Fehler begehen, dann wird es oft sehr teuer. Diese Erfahrung hat auch Bear Stearns wieder gemacht: Das US-Bankhaus hat eine Verkaufsorder im Wert von vier Milliarden Dollar ausgegeben - geplant waren lediglich vier Millionen Dollar. Prompt warfen auch andere Broker hektisch Wertpapiere auf den Markt.

Grund für die Panne sei ein Schreibfehler gewesen, teilte die New Yorker Börse NYSE am Mittwochabend mit.

Die Order sei nach dem Verkauf von Aktien im Wert von 622 Millionen Dollar gestoppt worden, weil der Fehler auffiel. Wie Bear Stearns mitteilte, sei das Risiko, das sich aus dem Fehler ergeben habe, "deutlich abgesichert" worden.

Die Verkaufsorder wurde gegen 3.40 Uhr New Yorker Ortszeit erteilt, zwanzig Minuten vor Handelsschluss. Nachdem die US-Aktienmärkte zeitweise behauptet tendierten, war am Ende deutlicher Verkaufsdruck entstanden. Der Dow-Jones-Index schloss bei 7755,61 Punkten, ein Minus von 2,31 Prozent. Die Nasdaq verlor 2,18 Prozent auf 1187,30 Punkte.

In den Handelsräumen waren wegen der überraschenden Bewegung schnell Gerüchte aufgekommen, dass eine große Brokerfirma versehentlich ein riesiges Verkaufsprogramm gestartet habe. Es war auch die Rede davon, dass die Verkäufe gegen die Börsenregeln verstoßen hätten und deshalb möglicherweise rückgängig gemacht werden müssten. Besonders betroffen von der unüblichen Aktivität waren Schwergewichte wie IBM , Cisco  und General Electric .

Ein deutscher Marktteilnehmer erklärte, das Versehen sei ein menschliches und kein elektronisches gewesen. So etwas passiere zwar selten, sei aber auch schon in der Vergangenheit vorgekommen. So hatte im vergangenen Jahr ein Händler versehentlich "eine Taste zu viel" gedrückt - und damit den Dax Future um 800 Punkte abstürzen lassen. Das könne immer wieder vorkommen, sagte der Börsianer am Donnerstag. Wenn allerdings ein so großes Brokerhaus wie Bear Stearns eine derartige Menge an Aktien verkaufe, habe das vor allem einen psychologischen Effekt.

Die anhaltenden Kursverluste hätten für Nervosität unter den Anlegern gesorgt. Sie hätten gedacht, dass Bear Stearns möglicherweise mehr wisse und deshalb im großen Stil Wertpapiere verkaufe. "Wer solch' eine heftige Bewegung am Aktienmarkt sieht, sucht nicht lange nach den Ursachen, sondern hängt sich dran", erklärte der Börsianer. "Das Dumme ist nur, dass sich der Markt danach nicht so schnell erholt hat, wie er gefallen ist."