CSFB/Goldman Banken stehen unter Verdacht

Wer bekam wieviel IPO-Aktien? Der US-Kongress fühlt den Investmentbanken auf den Zahn.

Washington – Der amerikanische Kongress hat mit Credit Suisse First Boston  (CSFB) und Goldman Sachs  zwei weitere Institute der Wall Street aufgefordert, Informationen im Zusammenhang mit Börsengängen (IPO) einem Ausschuss zur Prüfung vorzulegen.

Der Ausschuss will herausfinden, ob und in welchem Ausmaße die Banken begehrte IPO-Aktien insbesondere von Internetunternehmen Top-Managern anderer Konzerne zukommen ließen. Konkret geht es um den Verdacht, ob die Banken die Zuteilungspraxis auch dazu nutzten, um an das Investmentbanking-Geschäft der Unternehmen heran zu kommen.

Die Finanzkonzerne waren führende IPO-Banken

Die beiden Banken waren während der Hochphase der Technologieaktien in den späten neunziger Jahren führend bei Börsengängen in diesem Bereich.

Der Kongressabgeordnete Michael Oxley leitet die Untersuchungen. Er hat nach deutsch- und englischsprachigen Agentur- und Zeitungsberichten die Untersuchungen zur IPO-Praxis an Wall Street ausgeweitet. Der Ausschuss hatte bereits die Citigroup-Tochter Salomon Smith Barney vorgeladen. Deren Unterlagen hätten gezeigt, dass etwa der ehemalige Worldcom-Chef Bernard Ebbers über Salomon "Millionen aus IPOs" erlangt habe.

CSFB und Goldman wollen kooperieren

Oxley hatte sich in der Vergangenheit unter anderem für schärfere Bilanzierungsregeln im Kongress stark gemacht. "Insider-Zuteilungen von IPO-Aktien verwässern in unfairer Weise den Wert der Aktien für Kleinanleger", erklärte Oxley. Nur freie und faire Märkte machten die US-Märkte attraktiv für Investoren, betonte er.

Credit Suisse First Boston und Goldman sollen mit Dokumenten nachweisen, wie die Verteilung der Aktien von Unternehmen nach deren Börsengang erfolgt ist. Sprecherinnen sowohl von CSFB als auch von Goldman haben bestätigt, dass beide Beraterfirmen "mit allen Behörden eng zusammenarbeiten".

CSFB droht Ermittlung der Wertpapieraufsicht

Credit Suisse droht überdies nach einem Bericht des "Wall Street Journal" eine Untersuchung der Wertpapieraufsicht. Wie die Zeitung am Freitag auf ihrer Internetseite berichtet, hat die Wertpapieraufsichtsbehörde im US-Bundesstaat Massachusetts E-mails und andere Hinweise erhalten, wonach Analysten der Credit Suisse First Boston in ihrem Urteil über bestimmte Aktien nicht unabhängig gewesen sein sollen.

Sie seien unter Druck gesetzt worden, negative Kommentare über vorhandene und potenzielle Kunden der Investment Banking-Sparte zu vermeiden. Ein Verfahren der US-Börsenaufsicht gegen die Investmentbank Credit Suisse First Boston sei wahrscheinlich, heißt es in dem Bericht unter Berufung auf eine mit der Sache vertraute Person.