Altana Dax-Aufsteiger auf Erholungskurs

Die Aktie macht am Freitag einen Teil ihrer Vortagesverluste wett. Das Pharmaunternehmen hatte zuvor die Markteinführung eines wichtigen Medikamentes verschoben.

Bad Homburg - Die Aktie des Bad Homburger Pharmakonzerns Altana  hat am Freitagvormittag rund vier Prozent auf 42,62 Euro hinzugewonnen und damit einen Teil der deutlichen Vortagesverluste wieder ausgeglichen.

Die Aktie war am Donnerstag in der Spitze um rund 19 Prozent eingebrochen, nachdem der Konzern angekündigt hatte, er werde die Zulassung für das Atemwegs-Medikament Roflumilast in Europa erst Ende 2003 beantragen. Geplant war, den Antrag auf Zulassung bereits Ende des laufenden Jahres zu stellen.

Gleichzeitig hatte Altana aber erklärt, es erwarte für Roflumilast ein Spitzenumsatz von einer Milliarde Euro statt bisher 800 Millionen Euro.

Händler halten "Abstrafung" für übertrieben

Als "völlig übertrieben" hatten zwei Händler die Verkaufsreaktion der Anleger am Donnerstag bewertet. "Der Markt ist sehr nervös, die Abstrafung extrem. Das zieht sogar die ganze Branche nach unten", sagte einer von ihnen.

"Die Amerikaner sind jetzt in den Handel eingestiegen und drücken Altana noch kräftiger nach unten", sagte Thomas Kastner, Händler bei der Dresdner Bank. Er geht wegen der übertriebenen Reaktion davon aus, dass sich der Wert in den kommenden Tagen wieder um drei bis fünf Prozent erholen wird.

Der Bad Homburger Konzern berichtete zudem über neue Daten aus der klinischen Erprobung des Mittels sowie des ebenfalls in der Entwicklung befindlichen Asthma-Medikaments Ciclesonide. Zudem schloss Altana eine Vertriebs-Vereinbarung mit seinem US-Kooperationspartner Pharmacia.

Vorsprung gegenüber der Konkurrenz schmilzt ...

Altana plane, das Medikament Roflumilast als neue Wirkstoffklasse offensiv zu vermarkten, hieß es. So sollen etwa noch weitere Studien zur Marktpositionierung vorgenommen werden. "Das ermöglicht uns eine genauere Produktcharakterisierung und nach einer Zulassung eine bessere Vermarktung," begründete Pharmavorstand Heinz-Joachim Lohrisch die Verschiebung des Zulassungsantrags in Europa.

Pharmacia, der US-Vertriebspartner für das Medikament, erhalte zudem eine breitere Datenbasis für den Zulassungsantrag in den USA. Früheren Angaben zufolge soll der Antrag auf Zulassung in den USA im zweiten Halbjahr 2003 gestellt werden. Analysten bewerteten die verzögerte Zulassung skeptisch, da der Zeitvorsprung von Altana gegenüber der Konkurrenz schmilzt.

... aber gute Daten aus der klinischen Erprobung

Ferner hieß es, neue Daten aus der späten klinischen Erprobung zu Roflumilast zeigten, dass das Mittel die Lungenfunktion nachhaltig verbessere. Insgesamt lägen bei Roflumilast nun Daten von mehr als 4500 Patienten mit Raucherlunge oder Asthma vor.

Zum ebenfalls in der Erprobung befindlichen Atemwegsmittel Ciclesonide teilte Altana mit, zwei Vergleichsstudien hätten die bessere Verträglichkeit gegenüber zwei Vergleichsprodukten gezeigt.

Abhängigkeit von Magenmedikament noch sehr hoch

Die beiden neuen Atemwegsmittel Roflumilast und Ciclesonide stehen im Blickpunkt der Investoren, eröffnen sie doch der bald in den Dax einziehenden Gesellschaft den Weg hin zu einem breiter aufgestellten Pharmakonzern. Bislang erwirtschaftet Altana in seiner Pharmasparte noch den größten Umsatzanteil mit seinem verkaufsstarken Magenmedikament Pantoprazol.

Für Ciclesonide hatte Altana bereits den Zulassungsantrag in Europa und in anderen Ländern gestellt. Analysten erwarten, dass beide Medikamente ab etwa Ende 2003 oder 2004 auf den Markt kommen.

Das sagen die Analysten...

Analysten sahen Positives wie Negatives in der Mitteilung. "Ich denke es ist gemischt, da sie einerseits die Einreichung verschoben, aber zugleich das Umsatzpotenzial angehoben haben", sagte Pharmaanalystin Meng Si von der Bankgesellschaft Berlin.

Die Verschiebung des Antrags könnte Konkurrenten GlaxoSmithKline (GSK) und Celltech, die Medikamente der gleichen Klasse gegen Raucherlunge in der Entwicklung hätten, Vorteile verschaffen, hieß es beim Bankhaus ABN Amro. So werde beim GSK-Mittel Ariflo mit Zulassungsanträgen in Europa und in den USA noch dieses Jahr gerechnet. Falls erfolgreich, wäre GSK als erster mit einem derartigen Mittel auf dem Markt.

Merrill Lynch und SEB empfehlen Aktie zum Kauf

Pharma-Analyst Andreas Schmidt von Merrill Lynch  erklärte, allein die Tatsache der Verschiebung werde Befürchtungen über das Produkt und dessen Marktfähigkeit aufkommen lassen. Sehr positiv sei aber der Vertrag mit Pharmacia zu Detrol. Merrill Lynch empfiehlt ebenso wie SEB die Aktie weiter zum Kauf.

SEB bezeichneten Ergebnisse der neuen Studien zu den vor der Markteinführung stehenden Präparate Ciclesonide und Roflumilast als überzeugend und vielversprechend. Diese beiden Medikamente dürften in relativ kurzer Zeit nach der Markteinführung nahezu aus dem Stand die 1 Milliarden-Schwelle überwinden und damit schnell den Blockbuster-Status erreichen.

Commerzbank Securities reduzierte Aktie auf "Reduce"

Damit hätte Altana dann drei Blockbuster am Markt. Die Abhängigkeit vom Magen-Darm-Präparat Pantoprazol würde dadurch wesentlich geringer werden. Der jüngste Dax-Aufsteiger sei somit auf dem besten Wege, sich in höhere Kursgefilden à la long vorzuarbeiten.

Commerzbank Securities dagegen hat die Aktien des Bad Homburger Pharmaunternehmens von "Hold" auf "Reduce" herab gestuft. Auf dem Forschungs- und Entwicklungstag habe das Unternehmen angekündigt, die Zulassung für das Atemwegs-Medikament Roflumilast später als geplant zu beantragen, begründeten die Pharmaanalysten ihr Urteil in einer am Donnerstag veröffentlichten Studie. Für die kommenden 12 Monate sagen sie der Aktie damit eine fünf bis 15 Prozent schlechtere Entwicklung als dem Markt voraus.

Erhöhte Umsatzerwartung weckt Skepsis

Nachdem die Ergebnisse der klinischen Tests der Phase drei positiv ausgefallen seien, will das Unternehmen nun mit der Erhebung weiterer Daten seine Marktposition verbessern. Es stelle sich jedoch die Frage, warum die fehlenden Daten nicht bereits bei den bisherigen Versuchen erhoben wurden.

Die Experten betrachten die erhöhte Umsatzerwartung des Konzerns deshalb mit Skepsis. Die Risiken, die die Aktie biete, seien vom Markt noch nicht vollständig im Kurs berücksichtigt. Das Kursziel setzten sie deshalb von 48 auf 40 Euro herab.