Allianz Goldman Sachs senkt den Daumen

Die Hochwasserschäden im Osten Deutschlands sind unerwartet hoch. Analysten reduzieren ihre Gewinnerwartungen für den Versicherungsriesen deutlich.

Frankfurt am Main – Die Wertpapierexperten der US-Investmentbank Goldman Sachs sehen vor dem Hintergrund der Hochwasserkatastrophe im Osten Deutschlands die Gewinnentwicklung der Allianz  zunehmend skeptisch. Für das laufende Jahr erwarten die Analysten nur noch einen Ertrag von 436 Millionen Euro, hieß es in einer am Montag veröffentlichten Kurzstudie. Zuvor wurden noch 846 Millionen Euro prognostiziert.

Die deutliche Reduzierung begründete Goldman Sachs mit den hohen Schadensbelastungen von über einer halbe Milliarde Euro. Vergangene Woche hatte die Allianz bekannt gegeben, dass sie rund 800 Millionen Euro an die Flutopfer auszahlen müsse. Auf Grund von Rückversicherungen liege die Netto-Belastung bei etwa 550 Millionen Euro.

Flutschäden höher als erwartet

Unterdessen haben die Analysten der WGZ-Bank ihre Gewinnschätzungen nur leicht reduziert. Zwar seien die Belastungen von 550 Millionen Euro höher als erwartet, dabei handele es sich jedoch um einen Einmaleffekt. Mittelfristig dürfte das Risikobewusstsein der Versicherungsnehmer wachsen und somit für ein positives Branchenklima für die Allianz sorgen. Deshalb werde die Aktie weiter zum Kauf empfohlen.

Noch optimistischer äußerten sich die Experten der SEB, die das Papier mit dem Rating "Strong Buy" empfehlen. Zwar bleibe die Aktie angesichts des schwierigen konjunkturellem Umfeldes sehr schwankungsanfällig. Auf Basis der 2003er Gewinnschätzungen seien die Titel mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von etwa zwölf jedoch günstig bewertet. Das Kursziel auf Zwölf-Monatssicht haben die Analysten auf 220 Euro festgesetzt.

Von diesem Kursniveau ist das Papier derzeit aber noch weit entfernt. Zum Wochenauftakt verlor die Aktie erneut und notierte am Montagnachmittag mit mehr als zwei Prozent im Minus auf 128 Euro. Noch im April dieses Jahres hatten die Anteilsscheine über 270 Euro gekostet.

Verhalten optimistisch sieht auch Wolfgang Rief, Direktor bei Standard & Poor's in Frankfurt die Zukunft der Allianz. Der jüngste Kursrutsch sei nicht allein auf versicherungstechnische Schäden zurückzuführen, sondern auch auf den schwachen Kapitalmarkt.

Warnung vor allzu viel Pessimimus

Allerdings warnt Rief davor, die Lage zu pessimistisch einzuschätzen. "Die Kombination aus Schadensbelastung und schwachem Kapitalmarkt wird in Einzelfällen nicht generell zu niedrigeren Ratings führen", sagt er.

Schon vor dem 11. September vergangenen Jahres hatte S&P den internationalen Rückversicherungssektor auf die Beobachtungsliste für eine Herabstufung gesetzt. Ende Juli und Anfang August stufte die Agentur dann die deutschen Lebens-, Sach- und Schadensversicherer auf "negative Outlook".

Konsolidierungsdruck in der Branche wächst stetig

Die Unternehmen müssten sich jetzt bei der Zeichnung von Verträgen wieder stärker auf versicherungstechnische Gewinne ausrichten, mahnt Rief. Die größeren Assekuranzunternehmen dürften dabei gestärkt aus der gegenwärtig schwierigen Situation hervorgehen. "Insgesamt wächst der Konsolidierungsdruck in der Branche."

Wegen der anhaltenden Börsenflaute könnten vor allem die kleineren der rund 120 deutschen Lebensversicherer bald Probleme bekommen, die gesetzliche Mindestverzinsung von 3,25 Prozent zu zahlen. Die Branche verständigte sich deshalb auf eine Auffanglösung für in Not geratene Lebensversicherer.