Börse "Politische Zwangsjacke" dämpft die Konjunkturerholung

Merrill Lynch bleibt pessimistisch. Der jüngste Aufschwung sei eine Bärenmarkt-Rallye gewesen.

London - Die Analysten von Merrill Lynch  halten es für unwahrscheinlich, dass in den kommenden Wochen Optimismus das Marktgeschehen in Europa bestimmen könnte. Bei den jüngsten Kursgewinnen habe es sich um eine so genannte Bärenmarkt-Rallye gehandelt, schrieben sie in einer am Montag vorgelegten Studie.

Die Gewinnerwartungen an die Unternehmen hätten sich mittlerweile einem realistischen Niveau angenähert. Nicht ausreichend berücksichtigt werde aber, dass die wirtschaftliche Entwicklung insgesamt hinter den Erwartungen zurückbleiben könnte.

Prognostiziert werde im Schnitt für die Zeit nach dem gegenwärtigen Abschwung eine "normale" Erholung. Dabei werde außer Acht gelassen, dass es sich um eine "außergewöhnlich milde" Rezession gehandelt habe. Zudem seien die Erzeugerpreise in Deutschland, Frankreich und Italien gefallen.

Die europäischen Börsen seien von der Entwicklung der US-Wirtschaft und den US-Wertpapiermärkten abhängig. Um diese Abhängigkeit zu verringern, müssten den Aktienexperten zufolge vier Dinge geschehen.

Voraussetzung sei eine deutliche Erholung in Deutschland, der zugleich größten und schwächsten Volkswirtschaft Europas. Nachhaltige Umstrukturierungsmaßnahmen, insbesondere im Telekomsektor, halten sie ebenfalls für zwingend erforderlich. Die Mobilität im Arbeitsmarkt müsse gesteigert werden, vor allem wenn es um Immigration gehe. Zudem forderten sie einen auf Wachstum ausgerichteten politischen Gesamtrahmen.

In Deutschland könnte es den Analysten zufolge schnell zu einer Erholung kommen, wenn die richtige Politik gefahren werde. "Wir halten dies angesichts der derzeitigen geld- und steuerpolitischen Zwangsjacke für nahezu unmöglich", schrieben die für Europa zuständigen Aktienstrategen der Investmentbank.

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