Wall-Street-Ausblick Intel gibt die Richtung vor

Der September wird seinen Ruf als mieser Börsenmonat voraussichtlich verteidigen. Gewinnwarnungen verderben die Stimmung. Und Alan Greenspan hat seinen Magier-Mythos endgültig zerstört.

New York - Und wieder hat es mit der Wende nicht geklappt. 0,9 Prozent niedriger beendete der Dow Jones den August - vor allem auf Grund einer schwachen letzten Woche (minus 2,4 Prozent). Es war der fünfte Verlustmonat in Folge. Und jetzt kommt der September, traditionell der schwächste Monat des Jahres. Damit wird ein drittes Bärenmarktjahr immer wahrscheinlicher.

Die meisten Börsianer erwarten keine Wunder in den nächsten Wochen. Mit dem Labor Day am Montag enden die Sommerferien. Die Fondsmanager kehren zurück und werden mit neuem Elan ihre Portfolios ausmisten - um nach der jüngsten 20-Prozent-Rallye Gewinne zu realisieren. Und die Analysten machen sich bereit, ihre Gewinn-Erwartungen fürs dritte Quartal weiter nach unten zu revidieren.

Das Schicksal des Dow Jones hängt vor allem von den Quartalszahlen ab - und die könnten überraschend schlecht ausfallen. In den vergangenen fünf Monaten haben die Analysten ihre Prognosen bereits um ein Drittel reduziert. Durchschnittlich rechnen Analysten nun laut Thomson Financial/First Call mit einem Gewinnwachstum von rund zehn Prozent. Am Ende könnten es sogar nur sechs Prozent sein, spekuliert Chuck Hill, Forschungsdirektor von First Call.

Die Einschläge kommen näher

Vergangene Woche gab es bereits die ersten Warnschüsse: Nortel Networks , Sun Microsystems  und Bell South  drückten jeweils mit einer Gewinn- oder Umsatzwarnung die Märkte.

Diese Woche wird mit weiteren Geständnissen gerechnet. Am Donnerstag gibt Schwergewicht Intel  einen Zwischenausblick auf das dritte Quartal. Im Juli hatte der Chip-Weltmarktführer einen Umsatz zwischen 6,3 und 6,9 Milliarden Dollar in Aussicht gestellt. Im gleichen Vorjahreszeitraum waren es 6,5 Milliarden Dollar.

Beobachter sind besonders gespannt, weil Intel-Chef Craig Barrett vergangene Woche aus Asien verlauten ließ, dass er noch kein Ende der IT-Krise sehe. Halbleiter-Aktien gingen daraufhin in die Knie. Enttäuscht Intel, dürfte auch der Gesamtmarkt leiden.

Durchwachsene Konjunkturdaten

An der Konjunkturfront sieht es weiterhin gemischt aus. Nach dem Feiertag könnte die Woche am Dienstag mit einer guten Nachricht beginnen, wenn der ISM-Index (früher Einkaufsmanager-Index) für August bekannt gegeben wird. Ein Wert über 50 signalisiert die Ausweitung der industriellen Produktion.

Am Freitag wird die mit Interesse beobachtete Arbeitslosenrate für August bekannt gegeben. Ökonomen erwarten, dass sie unverändert bei 5,9 Prozent geblieben ist. Neu geschaffen haben amerikanische Unternehmen voraussichtlich 30.000 Jobs - mehr als die 6000 im Juli, aber erneut wenig beeindruckend. Es ist weiterhin ein "Aufschwung ohne Jobs".

Enttäuschungen bei den Konjunkturdaten werden die Märkte ungnädig aufnehmen, prognostiziert Hugh Johnson, Investmentchef bei First Albany. In diesem Fall sei mit größeren Marktbewegungen zu rechnen.

Und noch etwas: Sollte irgendein Anleger noch die stille Hoffnung hegen, dass der von vielen als gottgleich verehrte Alan Greenspan die Börse irgendwie vor dem dritten Bärenmarktjahr bewahren könnte - spätestens seit Freitag ist auch diese Hoffnung dahin. Vor einem ungläubigen Publikum enthüllte der Federal-Reserve-Chef, dass er nicht allmächtig sei.

Natürlich sagte Greenspan das, um sich gegen den Vorwurf zu verteidigen, er habe die Internetblase verhindern können. Doch mit dem Eingeständnis zerstörte er gleichzeitig seinen Nimbus als Börsenmagier. Die beunruhigende Botschaft an die Anleger: Ihr seid ganz allein.